Sexuelle Animation auf SRF – Wo bleibt der Jugendschutz?

Was das Schweizer Fernsehen SRF mit den beiden Sendereihen „Youngbulanz – Doktor Bock“ und „Jenny-Wanessa“ bietet, geht vielen Zuschauern entschieden zu weit. Und zwar zu Recht.

Kommentar von Regula Lehmann

Mehr als 8600 Pädagogen, Eltern und junge Erwachsenen unterzeichneten aus Protest gegen diese sexuelle Animation von Kindern und Teenagern eine Online-Petition. In unserer modernen Welt eingängiges und weit verbreitetes Mittel, die eigene Meinung kundzutun.

Irritierend ist, wie die Schweizer Medien auf die Tatsache reagierten, dass Schweizerinnen und Schweizer von ihrem Recht auf Protest Gebrauch machten. Statt die kritisierten Inhalte zu beleuchten und auf den Sachverhalt einzugehen, wurden die Einreicher der Petition höchst undifferenziert diffamiert.

Dies, obwohl es berechtigten Anlass zur Kritik gibt: Die Ausgestaltung der Sendung „Dr. Bock“ ist grundsätzlich zu beanstanden, weil sie den Schutz Minderjähriger nicht wahrnimmt. Die Videos sind ohne Altersbeschränkung abrufbar und animieren Kinder und Teenager zu sexuellen Handlungen.

Dazu einige Beispiele aus der Sendung vom 15.09.2017 mit dem Titel „Masturbation – Tipps für Jungs“. Bei Minute 0:29 wird das erste Mal aktiv zu sexuellen Handlungen aufgerufen: „…Selbstbefriedigung muss man lernen. Und das macht man am besten mit ganz viel Ausprobieren“, lautet die Botschaft an die jungen Zuschauer. Darauf folgen Aussagen wie: „Probiere mal mit deiner Hand eine Vagina zu simulieren…“(Minute 1:36), „… aber Ausprobieren hat ja noch nie geschadet“ (Minute 3:31), oder: „Berühre dich überall ein wenig, Probieren geht über Studieren“ (Minute 5:10).

Dass Minderjährige – im Imperativ! – zu sexuellen Handlungen angeleitet werden, stellt eine massive Grenzüberschreitung dar. Solche kommen im besagten Video, wie auch in anderen Sendungen, wiederholt vor. Im Zusammenhang mit „Dr. Bock“ oder „Jenny-Wanessa“ von „notwendiger Aufklärung“ oder gar „Bildung“ zu sprechen, ist unangebracht und entspricht weder den Kantonalen Lehrplänen noch den Kriterien für entwicklungssensible Sexualaufklärung.

Meine Hoffnung ist, dass verantwortungsbewusste Erwachsene sich auch weiterhin engagiert für den Jugendschutz einsetzen. Weil Kinder und Jugendliche etwas Besseres verdienen und brauchen, um zu glücklichen, liebesfähigen und verantwortungsbewussten Erwachsenen heranzureifen.

Regula Lehmann ist Elterncoach, Autorin preisgekrönter Lehrmittel für Sexualaufklärung und leitet bei der Stiftung Zukunft CH den Bereich Familienprojekte.

2018-02-19T13:41:19+00:00 02.02.2018|