Der Nationalrat hat in der Frühjahrssession 2023 die „Überführung der Anstossfinanzierung in eine zeitgemässe Lösung“ beschlossen. Bei 5 Enthaltungen fiel die Abstimmung mit 107 zu 79 deutlich aus. Rund 710 Millionen Schweizer Franken würden damit jährlich für tendenziell kindesschädigende Betreuungsansätze ausgeschüttet. Eltern, die sich selbst um ihre Kinder kümmern, bleiben dagegen benachteiligt. Das Geschäft geht nun in den Ständerat.

Ein Kommentar von Regula Lehmann

Seit Jahrzehnten arbeiten Politik und Wirtschaft darauf hin, die Schweizer Eltern mit Hilfe von finanziellen Anreizen oder Belohnungen aus dem Kinderzimmer in die Arbeitswelt zu locken. Insbesondere bei den Frauen will man die Erwerbstätigkeit dadurch fördern, dass Eltern hohe Zuschüsse für die Kita-Kosten ihrer Kinder erhalten. Für die innerfamiliäre Betreuung (Eltern, Grosseltern) soll es hingegen weiterhin kein Geld geben. Der Nationalrat möchte die vom Bund seit zwanzig Jahren geleistete „Anstossfinanzierung“ für die Schaffung von Betreuungsplätzen für Kinder dauerhaft rechtlich verankern. Zahlreiche Studien belegen allerdings, dass Kitabetreuung insbesondere bei Kleinkindern teilweise massive Schäden verursacht. Je jünger ein Kind ist und je mehr Zeit es in der Kita verbringt, desto schwerer sind die Schäden. Der Stresshormonspiegel steigt, Trennungsängste, Verhaltens- und Beziehungsstörungen treten auf. Ebenso bekannt ist, dass der Betreuungsschlüssel und die Konstanz der Betreuungspersonen in vielen Kitas unter den als erstrebenswert definierten Qualitätsstandards liegt.

Abgegeben wie ein Kleidungsstück

In der aktuellen Ausgabe des Magazins von Zukunft CH schreibt Kinder- und Jugendpsychotherapeut Prof. Dr. Dr. Serge Sulz: „Dass Mütter heute ermutigt werden, ihre Kinder bereits drei bis sechs Monate nach der Geburt ganztags abzugeben, zeugt von einer erschütternden Unmenschlichkeit von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die zu frühe und unerträglich lange Fremdunterbringung von Kindern ist eine Grausamkeit, die jegliches Feingefühl für die Seele des Kindes vermissen lässt. Das grosse Loch auf dem Arbeitsmarkt darf nicht durch Kinderkrippen gestopft werden. Kinder haben das Recht, in ihrer Familie zu bleiben. Entwicklungspsychologen wissen heute viel mehr über die Psyche des Kindes in den ersten zwei Lebensjahren. Leider kommt dieses Wissen nicht in unserer Gesellschaft an. Vielleicht, weil dieses Wissen unbequem ist und plötzlich neben den Bedürfnissen von Mann und Frau das Bedürfnis des dritten Familienmitglieds ebenso hohe Priorität erhalten muss.“

 

Zukunft CH hat zum Thema Fremdbetreuung eine Kita-Ampel erstellt, die wesentliche Erkenntnisse zusammenfasst und Eltern konkrete Hinweise gibt. Sie kann, auch in grösseren Verteilmengen, via Bestellformular angefordert werden.