Es ist absurd, wenn in manchen Häusern nichts mehr daran erinnert, warum dieses Fest begangen wird, ohne dass die Kinder eine Ahnung haben, wieso und warum man eigentlich feiert. Es ist noch absurder, wenn man mit der ganzen Familie zur Christvesper geht, voll in das „Freue dich, freue dich, du Christenheit“ einstimmt und eine Stunde später zwischen Putenbein und Rotkohl erzählt, dass man die ganze Geschichte heute nicht mehr zu glauben brauche.
„Wir sind nicht mehr verloren, weil Christ ist geboren“ ist eine Nachricht, die Geltung behält, wenngleich Kritiker die Diskrepanz zwischen Glauben und Tun infrage stellen. Wenn wir Weihnachten feiern, sollte daher Christus als Erlöser im Mittelpunkt unseres Festes bleiben. Dazu ist eine bewusste Gestaltung nötig, nach dem Gottesdienst noch eine andächtige Feier mit Liedern und eine kleine Ansprache an die Kinder, die ihnen diese Art des Feierns erklärt:

Christus hat uns erlöst. Er ist in der Lage, uns durchzutragen, wenn es hart auf hart kommt. Er ist die Liebe, Er gibt uns die Möglichkeit, Anderen zu verzeihen. Er gibt unserem Leben Sinn. Weihnachten feiern ist deshalb für uns so existenziell nötig wie Essen und Trinken.

Eine Tanne stellen wir in unsere Stube, als immergrünes Symbol der Ewigkeitswahrheit unserer Erlösung. Seine pyramidische Gestalt verdeutlicht die Menschheitsentwicklung: Durch ein Sich-Ausweiten zunächst in der Horizontalen, im Irdisch-Erdhaften, durch die Entfaltung in die Vertikale, in die Höhe hinein, um Kultur zu entwickeln, um auf der höchsten Ebene, an der Spitze, eine eindeutige Zielsetzung sichtbar werden zu lassen.

Mit einem Stern geben wir dem Weihnachtsbaum den krönenden Abschluss. Um zum „Stern“ an der Lebensspitze, um zu Christus zu gelangen, ist eine Ausrichtung nach oben nötig. Der Stern symbolisiert unser Lebensziel: Gott; denn erst eine solche Orientierung beschenkt uns mit der Hoffnung auf Ewigkeit. Deshalb machen wir die Tanne auch zu einem Lichterbaum: Der Mensch selbst wird zum „erleuchteten“ Lichtträger, wenn er sich durch den Gott der Liebe mit Liebe durchfluten lässt.

Wir zünden Kerzen an, nicht nur, weil es draußen dunkel wird, sondern weil es in unserer Seele immer wieder dunkel wird, wenn wir Christus als unsere Hoffnung nicht hätten. Wir brauchen das: Wir müssen sehen, dass das Licht der Hoffnung uns erleuchtet.

Der helle Schein der Kerzen weckt uns aus der Verdunkelung unseres Geistes und unserer Seele. Und die Freude der Erwartung stärkt uns, erhellt uns im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Gott hat uns mit diesem Fest die Zusage seiner nie aufhörenden, lebendigen und lebendig machenden Liebe, seiner Versöhnung gemacht.

Liebe heißt aber Fülle, Schenkfülle über alle Maßen, die uns unbändig freuen darf. Das ist der Grund, weshalb wir uns Weihnachten gegenseitig beschenken. Wir haben nicht nur das Recht, ja, sogar die liebende Pflicht, unserer Freude Ausdruck zu geben – aus Dankbarkeit –, und wir dürfen es mit dem Geist der Fülle tun, mit dem Gott uns im Zeichen dieser Liebe überschüttet. Also, warum sollten wir nicht die schönste Tasche, das schönste Spielzeug vom mühsam erarbeiteten, gesparten und nun geopferten Geld kaufen? Es darf und soll in unserem Weihnachtszimmer nur so bersten von Fülle – unterm Tannenbaum und auf den Tellern.

Wir dürfen es sinnbildlich nachahmen, was ER für uns tat: uns das Entscheidende, das Zentrale, das Wesentliche zu schenken. Deshalb dürfen wir grübeln: Womit kann ich meinen Lieben eine große Freude machen? Unser Freudemachen ist weitergebende Liebe, weiterverbreitete Freude, Freude im Strahlfeld Seiner Tat!

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Ein Gastkommentar von Christa Meves