Geht es nach dem Bundesrat, soll der Mangel an Arbeitskräften, zu der die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative seiner Meinung nach führt, auch durch eine bessere Förderung und Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräfte-Potentials kompensiert werden. Eine Möglichkeit dazu sieht er in der Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Dass dieser Vorschlag im Massnahmenkatalog zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative auftaucht, ist nicht weiter verwunderlich. Hat doch der Bundesrat das Ziel der „Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ im Rahmen der „Fachkräfteinitiative“ des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) spätestens seit 2011 ganz oben auf seiner Agenda stehen. Der letzte Versuch, dieser Politik eine konkrete verfassungsrechtliche Basis zu geben, scheiterte zwar im März 2014 mit der Ablehnung des sogenannten „Familienartikels“ durch die Mehrheit der Kantone. Das gleichzeitige Stimmenmehr interpretierte der Bundesrat vor einem Jahr aber als Unterstützung seiner Familienpolitik und als Auftrag, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter voranzubringen.

Nun will der Bundesrat auch die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative in diesem Sinn nutzen. „Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, unterstützte der Bundesrat die Verlängerung des Impulsprogramms zur Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen.“ Zudem hat er eine Arbeitsgruppe beauftragt, „zusammen mit den Kantonen bis Ende Juni 2015 Fragen bezüglich der Finanzierung von Tagesstrukturen im Schulbereich zu klären.“

Das volkswirtschaftliche Hauptproblem der kommenden Jahre und Jahrzehnte, das in der zu geringen Geburtenrate liegt, ist aber weder durch eine auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber abgestimmte Personenfreizügigkeit noch durch die Vollzeitberufstätigkeit von Müttern aus der Welt zu schaffen.

Eine den wirtschaftlichen Bedürfnissen entsprechende Zuwanderung junger Ausländer kann den sich abzeichnenden demographischen Kollaps und den Zusammenbruch der Altersvorsorge zwar aufschieben, verhindern kann sie ihn aber nicht. Dies ganz abgesehen davon, dass eine unkontrollierte Einwanderung auch das kulturelle Gleichgewicht der Schweiz in Gefahr bringt.

Wenn hingen die Vollzeitberufstätigkeit von Frauen zum gesellschaftlichen Normalfall gemacht wird, wird der Verzögerungseffekt für den volkswirtschaftlichen Zusammenbruchs noch geringer ausfallen. Vollzeit berufstätige Frauen haben weniger Kinder als Frauen, die nur Teilzeit arbeiten oder ganz dem Haushalt verpflichtet sind. Ob flächendeckende Krippenangebote hier eine Trendwende zu Wege bringen könnten, ist angesichts einer ähnlich tiefen Geburtenrate in Deutschland mehr als fraglich. Und selbst wenn dies der Fall sein sollte, ist die Institutionalisierung der Kindheit nur eine weitere volkswirtschaftliche Sackgasse. Krippenbetreuung bringt nämlich – unabhängig von der Qualität der Krippe – besonders für unter Dreijährige massive psychische Belastungen wie Dauerstress mit sich, die sich zeitlebens in verminderter Leistungsfähigkeit auswirken können.

Natürlich kann sich der Bundesrat angesichts der akuten Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht auf langfristig wirkende Massnahmen beschränken. Diese aber gar nicht zum Thema zu machen, wäre hingegen noch viel verantwortungsloser. Um es klar auszurücken: Die Schweiz braucht auch im Interessen einer starken Wirtschaft endlich wieder eine Familienpolitik, welche nicht immer nur in behelfsmässige Ersatzformen wie Ganztagsschulen und Kinderhorte, sondern ins Original der sogenannt bürgerlichen Familie investiert. Diese ist – rein wirtschaftlich betrachtet – die unersetzliche Quelle für hochwertiges Humankapital. Für eine Vielzahl von Vätern, Müttern und Kindern aber der Inbegriff menschlichen Glücks!

Weitere Infos zur „Fachkräfteinitiative“ unter:

www.wbf.admin.ch

Kommentar von Dominik Lusser