Trotz Geringschätzung durch die Politik: Ehe wieder höher im Kurs

Die durchschnittliche Ehedauer bis zu einer Scheidung ist in Deutschland im Vergleich zu den 1990er-Jahren von 12 auf 15 Jahre angestiegen. Wer heute in Ehe lebt, lebt es bewusster. Das umso mehr, je religiöser fundiert die Ehe ist.

Die Zahl der Eheschliessungen in Deutschland steigt seit Jahren leicht, aber kontinuierlich an. Sie lag 2018 bei 416‘000, fünf Jahre zuvor waren es 385‘952 gewesen. Es steigt auch das Alter der Brautpaare. Für Männer liegt es bei 34,2 Jahren, für Frauen bei 31,7 Jahren. 2014 war es rund ein halbes Jahr weniger. Auch die „Haltbarkeit“ der Ehen steigt. Die durchschnittliche Ehedauer bis zu einer Scheidung beträgt derzeit 15 Jahre, und auch die Zahl der Scheidungen selbst geht seit neun Jahren kontinuierlich zurück.

Die durchschnittliche Ehedauer betrug in den neunziger Jahren um die 12 Jahre, 2005 waren es schon 13,6 und 2015 bereits 14,9 Jahre. Im selben Zeitraum (zwischen 1990 und 2015) stieg die Zahl der Scheidungen zunächst von 154‘000 auf 201‘000 (2005), zehn Jahre später war sie auf 163‘000 gesunken. Damit verringert sich auch die Zahl der Scheidungswaisen. Gut die Hälfte der geschiedenen Ehepaare (50,5 %) hatte minderjährige Kinder und von diesen wiederum 52,4 % nur ein minderjähriges Kind. Insgesamt waren von der Scheidung ihrer Eltern im Jahr 2016 knapp 132‘000 Kinder unter 18 Jahren betroffen [1].

Dem Trend zur längeren durchschnittlichen Ehedauer wie auch zum höheren Durchschnittsalter der Geschiedenen steht ein anderer Trend entgegen: Etwa jede sechste Scheidung (15,6 %) erfolgte nach mehr als 25 gemeinsamen Jahren, 1991 waren nur neun Prozent oder nur jede elfte Ehe nach mehr als 25 Jahren beendet worden.

Längere Haltbarkeit, weniger Scheidungen, mehr Hochzeiten, mehr als sieben von zehn Paaren in Deutschland leben in Ehe – der hohe Stellenwert dieser Lebensform ist unbestritten. Wer heute in Ehe lebt, lebt es bewusster. Das umso mehr, je religiöser fundiert die Ehe ist. Zwei Drittel aller Ehen in Deutschland halten ein Leben lang und die meisten dieser Ehen haben ein religiöses Fundament. Der amerikanische Familienforscher Patrick Francis Fagan vom Family Research Council hat sich mit diesen Zusammenhängen intensiv befasst, aber auch in Deutschland liegen Ergebnisse sozusagen als Nebenprodukt anderer Zielrichtungen von Forschungsarbeiten vor [2]. Man darf auch als wahrscheinlich annehmen, dass Paare, die aus ideellen und religiösen Gründen heiraten, intensiver um ihre Beziehung ringen als nicht ideell und religiös gebundene Paare. Umso wahrscheinlicher ist auch, dass religiös praktizierende Ehepaare sich seltener scheiden lassen. Eine Umfrage aus den achtziger Jahren besagt sogar, dass nur jede fünfzigste Ehe von Paaren zerbrach, die kirchlich verheiratet waren und gemeinsam zur Kirche gingen. Bei kirchlich verheirateten Paaren, die zudem noch gemeinsam beten, zerbricht demnach nur eine von 1‘429 Ehen. Die Umfrage ist zu alt, um mehr als eine gewisse Wahrscheinlichkeit anzudeuten. Spätere Forschungen der Auburn-Universität in Alabama belegen indes, dass es auch auf die Art der Religion und Kirchenbindung ankommt. Entscheidend für das Gelingen einer Ehe sei das „religious makeup of a community“ – das religiöse Gefüge einer Gemeinde, und nicht nur die Religiosität des Paares. Da, wo die Menschen in relativ homogenen religiösen Rahmenbedingungen (relatively homogeneous religious settings) lebten, gebe es signifikant weniger Scheidungen [3].

Warum wird wieder mehr geheiratet, obwohl es heute ökonomisch wegen der Emanzipation der Frauen nur noch bedingt und gesellschaftlich nicht mehr mainstreamig ist? Zunächst: Die ökonomischen Vorteile liegen nach wie vor auf der Hand. Eine stabile Ehe ist eine Lebensversicherung eigener Art, die Vertrautheit macht Pflege im Alter (durch Partner oder Kinder) eher zu einem Liebesdienst als in irgendeinem Heim. Es ist auch mehrfach erwiesen, dass Verheiratete gesünder und damit auch länger leben, dass sie wohlhabender sind und sozial engagierter. Das wären übrigens triftige Gründe für den Staat, die Ehe zu fördern. Natürlich können auch Singles gesund leben, wohlhabend werden und sich sozial engagieren. Das verlangt aber mehr Selbstdisziplin. Leichter ist die „soziale Kontrolle“ durch den Partner. Der Hauptgrund in den westlichen liberal-individualistisch geprägten Gesellschaften jedoch ist heute – mehr noch als früher – die Liebe. In den USA ist das für neun von zehn Heiratenden der Grund. Für sie und die meisten Paare auch in Europa ist die Ehe ein Hafen der Geborgenheit und der persönlichen Sicherheit, der für das Streben nach Glück sehr viel mehr verheisst als Geld und Wohlstand.

Festzuhalten ist: Religiös praktizierende Eheleute lassen sich deutlich seltener scheiden als nicht religiöse Paare. Und ganz allgemein: Der Stellenwert von Ehe wächst bei der Bevölkerung, trotz der Geringschätzung durch die Politik.

Anmerkungen

[1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2017/07/PD17_237_12631.html?nn=206104

[2] vgl. zum Beispiel Andreas Diekmann/ Henriette Engelhardt, Alter der Kinder bei Ehescheidung der Eltern und soziale Vererbung des Scheidungsrisikos, Working Paper des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, Rostock, 2002

[3] vgl. Jürgen Liminski, Die christliche Ehe, in: Handbuch der Katholischen Soziallehre, herausgegeben von Anton Rauscher u.a. im Auftrag der Görres-Gesellschaft, 2008

 

Quelle: iDAF, Nachricht des Monats 2019/2

2019-10-08T09:29:10+00:00 07.09.2019|