Reue und Leiden der Väter nach der Abtreibung

Das britische Boulevardblatt „Daily Mail“ hat am 21. Juni 2017 einen langen Artikel über die Reue und das Leiden von Vätern nach einer Abtreibung veröffentlicht. Das heute weitgehend tabuisierte Thema der Abtreibung, welches durch politische Korrektheit als „Frauenrecht“ durchgesetzt wird, fand so Eingang in eine grosse britische Zeitung mit einer täglichen Auflage von zwei Millionen Exemplaren.

Von Jeanne Smits

Die „Daily Mail“ berichtet über mehrere Organisationen, die Personen helfen, die einen „Schwangerschaftsabbruch“ bereuen, insbesondere „Rachel’s Vineyard“, eine katholische Einrichtung, welche vielen Frauen hilft, wenn sie sich der Abtreibung richtig bewusst werden und nach befreiender Vergebung suchen. Die Organisation hat Niederlassungen auf der ganzen Welt und hat sich schon früh auch Männern zugewandt, die unter dem Post-Abortion-Syndrom1 leiden. Bei der Vereinigung „Abortion Recovery Care“, welche die Journalistinnen von „Daily Mail“ ebenfalls besuchten, schätzt man, dass heute eine von zehn Personen, die nach einer Abtreibung Hilfe suchen, ein Mann ist.

Reue, Leiden, Schuldgefühle

Welche Gedanken fallen immer wieder? Die Unmöglichkeit zu vergessen; eine Narbe, die nicht heilen will; Reue oder Zorn, wenn es die damalige Lebensgefährtin war, die abtreiben wollte; Gewissensbisse, wenn der Mann die Abtreibung wollte, manchmal gegen den Willen der Mutter und des Kindes. Rechnet man mit jährlich 200’000 Abtreibungen in Grossbritannien, wobei diese in Nordirland nach wie vor illegal sind, kommt man auf eine hohe Zahl betroffener Personen. Tony, in den Vierzigern, beschreibt sein Gefühl, dass er das Kind niemals kennen wird, das er mit seiner Freundin vor 15 Jahren hätte haben können. Sie entschied sich abzutreiben, während er gehofft hatte, sie würden das Kind behalten: „Es ist, als trage man einen Rucksack – meistens spürt man einfach, dass er da ist, aber an manchen Tagen ist er wie ein bleischweres Gewicht, das einen am Vorankommen hindert,“ gesteht Tony. Die Mutter seines Kindes hatte ihm damals gesagt, sie liebe ihn nicht genug, um die Schwangerschaft fortzusetzen. Der junge Mann hatte sie zum Arzt begleitet. Aber ihre Beziehung sollte sich von diesem Gewaltakt nicht mehr erholen.

Britische Presse bricht das Tabu

Auch für die Journalistinnen der „Daily Mail“ ist es normal, dass man beim Thema Abtreibung auf die Frau fokussiert ist. Schliesslich ist es ihr Körper, an dem der Eingriff vorgenommen wird. Sie beschreiben es als „gut belegte“ Tatsache, dass „viele Frauen Schuldgefühle haben und die Folgen des Traumas während ihres ganzen restlichen Lebens spüren“. Clare Goldwin und Angela Carless weisen aber auch darauf hin, dass die Auswirkungen der Abtreibung auf Männer oft ignoriert werden, besonders weil diese nichts dazu zu sagen haben, wenn sich eine Frau zur Abtreibung entscheidet.

Charlie Conner von „Rachel’s Vineyard“ sagt dazu: „Jedes abgetriebene Kind hat einen Vater – man braucht also kein Mathematiker zu sein um zu verstehen, dass hier ein riesiges Problem verborgen liegt.“ Ein Problem, das noch grösser wird, weil nicht richtig getrauert werden kann: Es gibt keine Beerdigung, kein Grab, nur „das Schulgefühl und die Schande“. „Dieses Schuldgefühl ist umso grösser, wenn es der Mann war, der die Abtreibung verlangt hat. Auch wenn sie nicht religiös sind, fühlen sich diese Männer bestraft, wenn andere Schwierigkeiten in ihrem Leben auftauchen. Wenn sie noch andere Kinder haben, haben sie beispielsweise Angst, diesen könnte ein Unglück zustossen wegen dem, was sie vor langer Zeit getan haben.“ Manche Therapeuten nennen – trotz des grossen Tabus – als Symptome u.a. eine Abnahme der Libido, Zorn, Depression, Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Paarbeziehungen zerbrechen

Der Artikel schildert auch den Fall des 50-jährigen Carl Miller, der seine Verlobte damals zur Abtreibung gedrängt hat, während diese den Abbruch nicht wollte. Wütend nahm er von ihren Tränen keine Notiz und warf ihr vor, absichtlich die Pille nicht mehr genommen zu haben, um von ihm schwanger zu werden. Sein Kind wurde mit elf Wochen abgetrieben und mit der Beziehung war es ein Jahr später aus. Miller sollte kein weiteres Kind mehr bekommen: Drei Jahre nach dem Bruch mit seiner Freundin, die er „leidenschaftlich“ geliebt hatte, outete er sich als homosexuell und zog mit einem Mann zusammen, der Vater zweier Kinder und Grossvater dreier Grosskinder ist: „Ich mag sie unglaublich, aber das bringt nur die Schuldgefühle wegen dieser Abtreibung wieder hoch; dann frag ich mich, wie wohl mein Kind geworden wäre … Erst mit der Zeit wurde ich mir der Tragweite bewusst, was passiert war und was ich verloren habe.“

Der 47-jährige Paul O’Callaghan ist heute alleinstehend und kinderlos. Auch er hat vor 15 Jahren Druck auf seine Freundin „Charlotte“ ausgeübt, das Kind abzutreiben, nachdem diese nach einem „kurzen romantischen Verhältnis“ von ihm schwanger geworden war. Sie war fast 40 Jahre alt und hatte noch keine Kinder. Und sie wünschte sich, dem Kind, das sie nun in sich trug, das Leben zu schenken. Der Vater entschied dennoch, dass dies nicht der richtige Moment sei, trotz des Schmerzes, der im Gesicht seiner Freundin zu lesen war. Er begleitete sie zum ersten Termin in die Klinik, wo sie ganz überwältigt die Ultraschalluntersuchung verliess mit den Worten, sie habe das „Baby gesehen“. „Ich nahm sie in den Arm. Aber meine Gründe gegen ein Kind waren immer noch die gleichen. Charlotte liess das Kind eine Woche später abtreiben, es war neun Wochen alt. Ich war nicht stolz, aber erleichtert, mich wieder anderen Dingen zuwenden zu können.“ Er hat sie nie mehr wiedergesehen. Doch mit der Zeit, als er seine Verwandten und Freunde mit kleinen Kindern sah, wurde ihm bewusst, was er verloren hatte. Seine Bitterkeit ist zweifach: Er leidet darunter, dass er ein Kind hätte haben können, ja haben sollen; und er fühlt sich schuldig gegenüber seiner damaligen Freundin, die er möglicherweise für immer um die Freude gebracht hat, Mutter zu werden.

Die „Daily Mail“ scheut sich auch nicht, Professor Arthur Shostak, Emeritus der Drexel-Universität in Philadelphia zu zitieren, der zahlreiche Interviews mit Männern geführt hat, deren Partnerinnen abgetrieben hatten. 90 Prozent von ihnen erlebten dies als einen der stressvollsten Momente ihres Lebens; 9 Prozent haben sich davon nie wieder erholt.

Jeanne Smits, niederländisch-französischer Herkunft, ist eine der europaweit führenden Journalistinnen im Bereich Lebensrecht. Publikation auf Zukunft CH mit freundlicher Genehmigung von Réinformation.tv.

SCHWANGER UND IN NOT?
Viele werdende Mütter und Väter werden aus einer Vielfalt
von Gründen von ihrer Familie, ihrem Partner, von
Ärzten und Sozialarbeitern unter Druck gesetzt, ihr Kind
abzutreiben. Es gibt jedoch immer einen besseren Weg,
als den Tod eines heranreifenden Kindes zu verursachen.
Diverse Organisationen bieten Hilfe an für Frauen
und Männer in entsprechenden Notsituationen. Bitte
scheuen Sie sich nicht, eine davon zu kontaktieren:

www.babyfenster.ch / www.ja-zum-leben.ch
www.shmk.ch / www.sos-adoption.ch
Hilfe-Hotline (Babyfenster/SHMK): Tel. 0800 811 100 (gratis)

 

Kommen Sie am 26. Mai 2018 nach Flüeli und beten Sie mit für die ungeborenen Kinder und für das Lebensrecht.  Infos zum Gebetsmarsch „Bäte fürs Läbe“ unter: http://marschfuerslaebe.ch/home/

2018-03-28T07:07:09+00:00 07.03.2018|