Es ist schon pervers, Eltern die ihre Kinder vor obszönen Bildern im öffentlichen Raum schützen wollen, Missbrauch oder zumindest Instrumentalisierung ihrer Kinder zu unterstellen. Eltern würden ihren Kindern ihre verkrampfe, mittelalterliche Sichtweise von Sexualität aufzwingen. Diesen Vorwurf hört man derzeit in zahlreichen Diskussionsforen im Internet. Und manche Medien wie z.B. der Tages-Anzeiger haben nichts besseres zu tun, die öffentliche Meinung genau in diese Richtung zu beeinflussen.
Dabei verhält es sich doch gerade umgekehrt: Die sexualisierten Bilder der Kampagne, die kopulierende Paare in aller Öffentlichkeit zur Schau stellen, verletzen objektiv die Schamgrenze. Oder möchten Sie sich etwa selber beim Sex auf Plakaten ablichten lassen oder auf den Plakaten ihren Ehepartner, ihren Freund, ihre Tochter oder ihren Enkel wiedererkennen? Die Journalistin Rafaela Roth, die inzwischen in einem Artikel auf watson.ch über die „fundamentalistischen“ Gegen des BAG hergefallen ist, hat mir diese etwas direkte Frage kürzlich ohne Zögern beantwortet: „Nein, mein Freund doch nicht!“

Die Bilder wirkend verstörend und sexualisierend

Auf Kinder wirken diese Bilder verstörend. Eltern 8-jähriger Kinder wissen das besser als die selbsternannten Sexualexperten von Sexuelle Gesundheit Schweiz, die vom Bund jährlich mit Millionen Steuergeldern ausgestattet werden.

Auf Jugendliche wirken die Bilder aufreizend. Sexualität wird auf lustvolle Erfahrung reduziert, von der man möglichst viel gemacht haben sollte, um später nichts bereuen zu müssen, wie der Kampagne-Slogan „Love life – no regrets“ warnt. Von einer ganzheitlichen Sichtweise der menschlichen Sexualität, die auch ihrer Würde entspricht, ist der perverse Exhibitionismus des BAG weit entfernt.

Sexualität und Liebe

Anders als das Tier hat der Mensch die wunderbare Fähigkeit seinen Sexualtrieb in den Aufbau langfristiger, treuer und darum echt beglückender Beziehungen zu integrieren. Sexualität ist die wohl intimste Weise seine Liebe zu einem Menschen des anderen Geschlechts auszudrücken. Oder ist es altmodisch zu sagen Sexualität hätte etwas mit Liebe zu tun? Liebe aber verlangt, wenn sie echt gemeint ist, nach Treue und – zumal dem Ideal nach – nach ewiger Dauer. Dass die verbindliche Gemeinschaft von Mann und Frau die relativ grösste Lebenszufriedenheit, sexuelle Zufriedenheit und Chance auf Treue beinhaltet, ist empirisch hinlänglich belegt.

Verantwortungsvolle Eltern

Wenn nun aber Eltern ihren Kinder eben diese ganzheitliche Sichtweise von Sexualität vermitteln und sie gleichzeitig vor der – mit dauerhaftem Glück unverträglichen – promiskuitiven Sexualmoral des BAG schützen, so nehmen sie damit ihre elterliche Pflicht in vorbildlicher Weise wahr. Ihre Sichtweise der Sexualität ist ganzheitlich, verantwortungsvoll stimmig und schön, die des BAG hingegen mit der Menschenwürde nicht vereinbar und im strengen Sinn sexuell übergriffig.

Sexualität und Liebe zusammenzudenken entspricht dem, was Jugendliche von ihrem Leben erwarten. Eltern, die das vermitteln, bereiten ihre Kinder auf ein erfülltes Familien- und Sexualleben vor. Solchen Eltern Instrumentalisierung oder Missbrauch zu unterstellen, ist eine unerhörte Frechheit.

Dominik Lusser