Kitafrei-Trend

In Deutschland entscheiden sich immer mehr Eltern bewusst gegen die Kita. Auch die Schweiz ist reif für diesen Trend gegen den Trend. Zum Wohl der Kinder.

Von Dominik Lusser

„Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich schon während der Schwangerschaft gefragt wurde, wann ich mein Kind in die Kita geben werde“, schildert Melanie ihre Erfahrungen auf dem Blog „Kleiner Mensch“, auf dem sie das Bewusstsein für Bindung, Bedürfnis und Beziehung zum Thema macht.

„Mein Sohn war also noch nicht einmal geboren und die Leute fragten mich, wann wir ihn denn quasi wieder abgeben würden. Er war noch nicht mal ‘angekommen’ und ich sollte mich schon wieder von ihm verabschieden. Das hatte ich mir so nicht ausgemalt.“ Ähnlich wie Melanie geht es vielen Müttern. Der Druck von Gesellschaft und Politik auf die Mütter, nach der Entbindung möglichst bald wieder in den Beruf einzusteigen und ihre Kinder von anderen – gegen Bezahlung – betreuen zu lassen, steigt. Doch eine ebenfalls steigende Anzahl Eltern in Deutschland setzt hier ganz bewusst einen Gegentrend, der auch für Schweizer Eltern zum Vorbild werden könnte.

„Kinderbetreuung ist vorrangig eine Familienangelegenheit“, lautet das Motto des Kitafrei-Trends der Eltern, die ihren Kindern eine sichere Bindung und ein starkes Selbstvertrauen vermitteln möchten. Im Netz teilen Eltern, die auf die Kita verzichtet haben, ihre freudigen und ermutigenden Erfahrungen: „Ob ich es wieder so machen würde? Auf alle Fälle“, schreibt Laura auf ihrem Blog „Trend Shock“. „Wir konnten in den wichtigsten Sekunden seines Lebens dabei sein. Seine Hand halten, ihn aufbauen und ihn zu einem selbstbewussten kleinen Menschen grossziehen. (…) Wir haben ihm die Wurzeln gegeben damit er jetzt ein kleines bisschen ohne Mama und Papa zurecht kommen kann. Auch wenn es dem Mutterherzen ein wenig schmerzt sein Baby loslassen zu müssen.“

Dass Eltern in den ersten drei Lebensjahren bei ihren Kindern bleiben können, ist nicht nur ein Herzensanliegen für viele Mütter. Es ist – abgesehen von Problemfamilien – auch das beste für das Kind. Dass Kita-Betreuung für Kinder unter drei Jahren schnell zu viel wird und schädliche Folgen haben kann, zeigt die Forschung. Der Kitafrei-Trend entspricht also auch der neusten wissenschaftlichen Erkenntnis, und kann keineswegs als rückwärtsgewandt angesehen werden, weil er vermeintlich veraltete Rollenklischees bedient.

Auch Wirtschaft und Staat würden, langfristig betrachtet, vom elterlichen Investment ins Humankapital von morgen profitieren. Doch gegenwärtig sehen diese in der Mutter, die zuhause bleibt, nur die brachliegende Fachkraft und die fehlende Steuerzahlerin, zum langfristigen Schaden der Kinder und der ganzen Gesellschaft. Unterstützt wird diese Dynamik von einem radikalen Feminismus, der die Frau von Kind und Mann „befreien“ will – was nur um den Preis der kollektivierten Kinderbetreuung möglich ist. Es ist höchste Zeit für einen Trend gegen den Trend.

Damit Eltern die Freiheit haben, kitafrei zu leben, sind auch Staat und Gesellschaft gefragt.  Ohne finanzielle Unterstützung oder wenigstens steuerliche Erleichterungen (z.B. durch die Steuerbefreiung der Familienzulagen) können es sich manche Familien schlicht nicht leisten, ihren Kindern die Kita zu ersparen.

Doch in der Schweiz setzen sowohl grosse Familienverbände (wie z.B. Pro Familia) als auch der Staat seit Jahren ziemlich einseitig auf die Karte Fremdbetreuung, was unter dem Schlagwort „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ als familien- und kinderfreundlich verkauft wird. So etwa investiert der Bund seit Jahren viel Geld, um durch ein Impulsprogramm in Kantonen und Gemeinden die Schaffung familienexterner Betreuungsplätze anzukurbeln. Und wer seine Kinder tatsächlich in fremde Obhut gibt, darf auch noch deutlich höhere Abzüge bei den Steuern geltend machen. Echte Wahlfreiheit sieht anders aus.

Zu hoffen ist deshalb, dass der Kitafrei-Trend nicht nur die Schweizer Eltern erfasst, sondern auch die verantwortlichen Verbände, die Wirtschaft und den Staat.

Falls Sie dennoch auf eine Kita angewiesen sind, sollten Sie wenigstens kritisch prüfen, wie viel Fremdbetreuung ok ist für ihr Kind. Hilfestellung dazu bietet die Kita-Ampel von Zukunft CH. Infos und Bestellung unter: zukunft-ch.ch

2019-03-13T15:40:31+00:00 22.02.2019|