„Es steht jedem frei, die Kampagne anstössig oder geschmacklos zu finden“, befand Tagi- Redaktor Felix Schindler am 10. Oktober 2014 in seinem Kommentar zur „Love Life“-Kampagne des BAG. Was für ein Anflug grossherziger Toleranz! Findet man die Kampagne aber nicht nur anstössig, sondern auch schädlich, und geht deswegen rechtlich dagegen vor, ist man in Schindlers Welt geächtet. Man bekommt dann unterstellt, es gehe einem „nicht um Kinderschutz, sondern nur um Moral“.
Eine merkwürdige Welt

Es ist allerdings eine merkwürdige Welt, in der Moral und Kinderschutz nicht zusammengedacht werden können. Kinder sind doch, so ist es wenigstens in meiner Welt, vor schädlichem, eben unmoralischem Verhalten Dritter zu schützen? Ebenso gibt man bei uns Kindern moralische Massstäbe mit auf den Weg, die ihnen helfen, das für sie jeweils förderliche Verhalten zu erkennen und umzusetzen. Dasjenige moralische Verhalten aber, welches das Risiko für eine HIV-Ansteckung minimiert, ist dann eben das beste oder moralischste aller möglichen Verhalten.

Denkt man noch etwas weiter und sieht in der „sexuelle Gesundheit“ – ganz im Sinne der WHO – nicht nur die Abwesenheit von Krankheiten, sondern vor allem auch die Fähigkeit, seine Sexualität in dauerhafte, treue und darum beglückende Beziehungen zu integrieren, kommt man wiederum zum Schluss, dass manches Verhalten diesem Ziel zuträglich, anderes hingegen abträglich und darum unmoralisch ist.

Eine unkritische Welt

Unternehmen nun Eltern, die mit beiden Füssen auf dem Boden der Realität stehen, rechtliche Schritte gegen eine „Präventions“-Kampagne, die – anstatt einen gesunden Umgang mit Sexualität zu fördern – das Schamgefühl verletzt und zu gefährlichem Experimentieren anstachelt, so ist doch das eine moralisch sehr gut begründete Kinderschutzmassnahme? Bei Ihnen etwas nicht?

Herr Schindler lebt aber offensichtlich in einer anderen Welt, in der – abgesehen vom Gebrauch des Gummis – vernünftiges und unvernünftiges Sexualverhalten nicht unterscheidbar sind. Wer in Schindlers Welt irgendeinen sexuellen Lebensstil – und sei er noch so offensichtlich (selbst)zerstörerisch – kritisiert, fällt in Ungnade.

Eine Scheinwelt

Lägen Herr Schindlers und meine Welt auf zwei getrennten Planeten, bräuchte mich die Absenz von Moral in seiner Welt nicht zu kümmern. Nun aber lebt auch Herr Schindler in unserer Welt, auch wenn er es selbst nicht zu wissen scheint: in einer Welt, in der es schmerzt, wenn man den Kopf gegen die Wand stösst; in einer Welt, in der eine Beziehung mit grosser Wahrscheinlichkeit zerbricht, wenn einer der Partner fremd geht; in einer Welt auch, in der es Sexualverhalten gibt, das stabile Beziehung stiftet, und anderes, das Beziehung verunmöglicht oder zerstört. Weil dem aber so ist und wir und unsere Kinder genau in dieser Welt das grösstmögliche Glück erfahren möchten, bemüht sich Zukunft CH mit allen Mitteln, Tagi-Journalisten wie Herrn Schindler mit guten Argumenten in die Realität zurückzuholen.