Das christliche Weihnachtsfest und seine öffentliche Präsenz in Europa und Übersee sind schon länger dem radikalen Islam ein Dorn im Auge. Da protestieren Muslime gegen Weihnachtsfeiern oder -lieder in den Klassenzimmern. An der Deutschen Schule in Istanbul musste so das Adventkonzert gestrichen werden. Aber auch die Europäische Union entwickelt sich zu einem Hauptsäkularisierungsorgan ihrer Mitgliedsstaaten.

Von Heinz Gstrein, Orientalist

So hat eben die EU-Kommissarin für „Gleichheit“, Helena Dalli aus Malta, den festlichen Gruss „Frohe Weihnachten!“ zu einem Affront für alle erklärt, die wie Muslime, andere Weltreligionen, aber auch die „Neuheiden“ unseres Zeitgeistes nicht an das weihnachtliche Mysterium glauben. Geschichtlich zuletzt war diese Ächtung des Weihnachtsgrusses in der Zeit des Zweiten Weltkrieges erfolgt, als die deutschen „Volksgenossen“ im ganzen von Hitler besetzten Europa angewiesen wurden, sich zum 24. Dezember nur mehr mit „Frohes Fest!“ zu grüssen.

Die neue Anweisung aus Brüssel wurde jetzt knapp vor Weihnachten nach allgemeinen Protesten evangelischer und katholischer Christen zurückgenommen. Abgelehnt hatte sie auch die „Interparlamentarische Versammlung der Orthodoxie“ (DSO) mit einer Erklärung aus Korfu: „Wir müssen an Einheit der christlichen Welt bei der Abwehr säkulärer Herausforderungen arbeiten. Leider fehlt beim Dialog für die Zukunft Europas, den die ‚EU begonnen hat, jede Bezugnahme auf die christlichen europäischen Werte. Im Gegenteil müssen wir ein Bestreben zur religiösen Entfärbung Europas beklagen. Das jüngste Beispiel dafür stellt der provokative Antrag der maltesischen Kommissarin dar.“ Ihr Vorschlag wurde zurückgezogen, zeigt aber die durchgehende Denkweise der europäischen Bürokraten in seltsamem Gleichklang mit Forderungen des politischen Islams.

„Es wird immer gefährlicher, Christ zu sein!“

In Frankreich hatten sich kämpferische Atheisten am 8. Dezember 2021 als muslimische Migranten verkleidet, um eine Marienprozession zu attackieren. In Nanterre beschimpften die angeblichen Muslime die katholischen Gläubigen als „Hurenbande“, bespuckten die Menschen und ihren Priester, stiessen sie gewaltsam herum. Eine alarmierte Polizeistreife musste feststellen, dass die kirchenfeindlichen Angreifer Franzosen waren, die sich nur als Muslime ausgaben. In dem Polizeibericht heisst es: „Es wird immer gefährlicher, in bestimmten Gegenden Frankreichs Christ zu sein!“

Auf zunehmendes Zusammenspiel eines gerade in seiner Diaspora aggressiven Islams mit dem europäischen Neuheidentum hat schon 2005 der aus Gambia stammende, selbst vom Islam konvertierte Theologe Lamin Sanneh hingewiesen. Im Sammelwerk „Glaube und Macht. Christentum und Islam im säkularen Grossbritannien“ zeigte er auf, dass in einer modernen, multikulturellen Gesellschaft mit unterschiedlichen religiösen Loyalitäten, Identitäten und sogar Gesetzen die christliche Sicht unaufgebbar ist. Die Kirchen müssen mit ihrer Abdankung aus dem öffentlichen Sektor Schluss machen.

Mohammed beliebtester Name in Grossbritannien

16 Jahre nach diesem Appell ist „Mohammed“ der beliebteste Knabenname in einem Grossbritannien geworden, wo sich nur 5 Prozent der Bevölkerung zum Islam bekennen. Der Name des muslimischen Religionsstifters wird besonders in Kreisen verwendet, die sich selbst als „ungläubig“ oder gar als „kirchenfeindlich“ deklarieren.

Säkulare Intoleranz und islamistischer Extremismus tragen erheblich dazu bei, dass in europäischen Staaten praktizierende Christen oder kirchliche Einrichtungen immer häufiger Diskriminierung bis hin zu Gewaltakten und Verfolgung ausgesetzt sind: Das geht aus einem Bericht des in Wien angesiedelten „Observatory On Intolerance And Discrimination Against Christians In Europa“ (OIDAC) hervor, der Mitte Dezember in einer Online-Pressekonferenz präsentiert wurde. Das Phänomen der Intoleranz gegen Christen sei in Europa völlig unterbelichtet und müsse sowohl politisch als auch gesellschaftlich wahrgenommen, diskutiert und ihm vorgebeugt werden.

Eingriffe in die persönliche Freiheit

„Im heutigen Europa ist es nicht nur unmodern, den christlichen Glauben überzeugt zu leben, sondern es kann auch zu schwerwiegenden Eingriffen in die persönliche Freiheit in wichtigen Lebensbereichen wie etwa am Arbeitsplatz oder in der Ausbildung führen“, fasste OIDAC-Direktorin Madeleine Enzlberger die Ergebnisse zusammen. Intoleranz gegen Christen und deren Diskriminierung reiche von Vandalismus in Kirchen und christlichen Gebäuden bis zu Hassverbrechen gegen Einzelpersonen. Doch auch eine schrittweise Einschränkung von Grundrechten wie Meinungs-, Religions- und Gewissensfreiheit, der Vertragsfreiheit oder der elterlichen Rechte durch gesellschaftlichen oder staatlichen Druck sei festzustellen.

„Anlass zur Sorge“ geben die sich im Bericht widerspiegelnden Tendenzen auch aus Sicht der Wiener Pastoraltheologin Regina Polak. Sie ist seit 2020 auch OSZE-Sonderbeauftragte für die Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung mit Schwerpunkt auf Intoleranz und Diskriminierung von Christen und Angehörigen anderer Religionen.

Mehr Aufmerksamkeit und öffentliche Diskussion nötig

Als nötige Schritte für die Zukunft forderte die OSZE-Sonderbeauftragte mehr Aufmerksamkeit für Hassverbrechen gegen Christen und auf Einschränkungen der Religions- und Glaubensfreiheit. „Dringend erforderlich“ sei eine verbesserte Erfassung dieser Vorfälle durch die Länder sowie angemessene Erforschung und öffentliche Diskussion der neuen Phänomene, die in erster Linie durch ein Zusammengehen von „progressivem Säkularismus und religiös motivierten politischen Extremismus von islamischer Seite“ entstünden.