Am Donnerstag, den 20. Juni 2013, zeigt der WDR eine Fernsehsendung in der Reihe „Menschen Hautnah“, die sich um die Schattenjustiz bei Muslimen in Deutschland dreht. Die Sendung läuft um 22.30 Uhr unter dem Titel „Menschen hautnah: Selbsternannte Richter.
Der Inhalt: Mustafa Ö. entstammt einer angesehenen Familie aus Ostanatolien, deren Männer „schon immer“ vor Ort Recht gesprochen und bei Streit vermittelt haben. Wie seine Vorfahren wird er auch hier in Deutschland von Landsleuten gerufen, wenn die Beteiligten nach einer Auseinandersetzung oder Schlägerei Vermittlungsgespräche oder einen Schuldspruch brauchen. Oft ziehen in der Folge seiner Schlichtung dann Zeugen oder Opfer ihre Aussage vor dem deutschen Gericht zurück oder bagatellisieren sie – denn man hat sich ja schon geeinigt.

Muslimische „Friedensrichter“ tragen keine Robe und haben keine juristische Ausbildung. Dennoch sind sie Schlüsselfiguren einer Paralleljustiz, die das deutsche Rechtssystem partiell zunehmend aushebelt. So sehen es inzwischen viele Richter, Staatsanwälte und Polizisten. Der Kurde betont hingegen die vermittelnde Funktion zwischen den Kulturen. Er ist überzeugt, dass „Friedensrichter“ die deutschen Behörden und Gerichte entlasten. Ob er Geld für seine Dienste bekommt, darüber macht er keine Angaben.

Mustafa Ö ist seit fast fünfzig Jahren in Deutschland, war mit einer deutschen Frau verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Mustafa Ö. ist stolz darauf, dass seine Tochter studiert – und trotzdem sind seine Ansichten teilweise sehr traditionell. Eine muslimische Frau muss in Streitfällen immer damit rechnen, dass sich der Friedensrichter an den herkömmlichen Rollenbildern orientiert. Gewalttaten werden zwischen den Clans häufig mit dem Scheckbuch geregelt; auch ganz wie früher.

„Menschen hautnah: Selbsternannte Richter“
Schattenjustiz bei Muslimen in Deutschland
Ein Film von Güner Yasemin Balci
Donnerstag, 20. Juni 2013 von 22:30-23:15 Uhr
WDR-Fernsehen