Die Hagia Sophia gilt als das Wahrzeichen der orthodoxen Christenheit. Als Sophienkirche war sie zur Zeit des Byzantinischen Reichs das herausragende Bauwerk Konstantinopels und Symbol der Christenheit. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wurde sie „islamisiert“ und dann 1935 in ein Museum umgewandelt. 2020 machte der türkische Präsident Recep Erdogan unter grossen internationalen und nationalen Protesten eine Moschee daraus (wie Zukunft CH am 14.07.2020 berichtete Hagia Sophia: Bestürzung und Protest gegen Moscheeisierung). Jetzt fordert das Europäische Parlament die Türkei auf, diesen Schritt rückgängig zu machen. Die Umnutzung der Hagia Sophia verstosse gegen das UNESCO-Übereinkommen, welches für den Erhalt und Schutz der Kultur- und Naturerbe der Welt ins Leben gerufen wurde.

Das Europaparlament mahnte die Regierung Erdogans zudem, dass der Schutz der Rechte von Minderheiten in der Türkei nicht vollumfänglich gegeben sei. Auch im Blick auf den Genozid an den Armeniern, der grössten christlichen Minderheit in der Türkei, und den Assyrern forderte das Europäische Parlament die türkische Regierung erneut auf, den Völkermord anzuerkennen und so den Weg für eine Versöhnung zu ebnen.

Ob Erdogan einlenken wird, ist fraglich. Liesse der Regierungschef seinen Beschluss rückgängig machen, würde er vor vielen Türken das Gesicht verlieren. Dies passt nicht zu seinen Politikstil und schon gar nicht zu ihm selbst. Doch ignorieren kann er den parlamentarischen Vorstoss nicht. Schliesslich forciert er seit Jahren einen Anschluss der Türkei an die EU. Es stellt sich wohl lediglich die Frage, wo sich das gesetzgebende Organ der EU und die Türkei finden werden.