In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Schäm Dich – Wie Ideologinnen und Ideologen bestimmen, was gut und böse ist“ befasst sich die freie Journalistin Judith Sevinc Basad mit den Social-Justice-Aktivisten, welche versuchen, über die Kontrolle der Sprache ihre politische Agenda durchzusetzen. Beim Gendern gehe es vor allem darum, sich selbst als den besseren Menschen zu inszenieren.

Die grösste Ursache für die Ausübung von Macht in der Gesellschaft liegt, wenn man postmodernen Theorie glauben will, in der Art und Weise, wie wir über Dinge sprechen. Durch das Gendern der Sprache – beispielsweise durch das Auslöschen klar zugewiesener Geschlechter aus dem Sprachgebrauch – soll die politische Wirklichkeit verändert werden. Orientierung finden die betreffenden Kreise dabei beispielsweise beim Poststrukturalisten Jacques Derrida, der behauptet, dass in der Sprache binäre Kategorien wie männlich-weiblich oder Körper-Geist herrschen, die in einem Machtverhältnis zueinanderstehen. Derrida vertritt dabei die Ansicht, dass das Männliche das Weibliche unterdrückt.

Social-Justice-Aktivisten glauben an die sprachliche Herrschaft des weissen Mannes und sind von der geringeren Repräsentation des Weiblichen überzeugt. Um dieses für sie ausgemachte Übel zu beseitigen, muss aus ihrer Sicht die Geschlechterbinarität (die Unterscheidung zwischen Frauen und Männern) und – vor allem – Männlichkeit, die unterdessen sogar als „toxisch“ diskreditiert wird, beseitigt werden.

Bedenklich ist laut Basad, dass sich immer mehr Mitarbeiter in Ämtern, Redaktionen und Kultureinrichtungen derzeit unter Druck setzen lassen, die neuen Regelungen in ihren Sprachgebrauch aufzunehmen, weil dadurch – so lautet das Narrativ – eine gerechte Welt angesteuert werden soll. Schonungslos deckt die Journalistin in ihrem Buch die Dekadenz und Absurdität einer Bewegung auf, die „jede Banalität zum Drama jochjazzt“, durch ihre einseitige Fixierung auf starre Feindbilder jedoch den Terror und die Gewalt, die tatsächlich Menschenleben gefährden, banalisiert. Anstatt sich mit realen Problemen wie rassistischen und sexuellen Übergriffen, überfüllten Frauenhäusern, Zwangsverheiratung, Ehrenmorde oder Genitalverstümmelungen zu beschäftigen, verstricken sich die Aktivisten laut Basad „lieber in schicke Lifestyle-Probleme, die nur sie selbst – den weissen studierten Kosmoliten im Wohlstand – betreffen. „Social-Justice-Aktivismus“ bedeute letztlich nur eines: Ein wenig Empörung, Nervenkitzel und Vergnügen für gutsituierte Narzissten, die eine Bühne brauchen, um „den eigenen Aufstieg vom bornierten Dorfkind zum intelligenten Hipster zu feiern“.

„Schäm dich! Wie Ideologinnen und Ideologen bestimmen, was gut und böse ist“, Westend Verlag, Frankfurt a. M., 2021, 224 S., CHF 28.90.