Das Genom der Schimpansen war bis Ende 2005 noch nicht entschlüsselt, daher konnten vorher die Unterschiede zum menschlichen Genom nur abgeschätzt werden. Nun liegt aber das vollständig decodierte Schimpansengenom vor. Dieses zeigt eine Übereinstimmung, die je nach Art des Vergleiches zwischen 98,77 und 93,07 % liegt (1). Das vollständig entschlüsselte Genom der Schimpansen wurde am 1. September 2005 im Wissenschafts-Magazin Nature beschrieben (2). Nun ist erst ein besserer Vergleich mit dem menschlichen Genom möglich geworden. Die ungeheuer grosse Mengen an Informationen, die man dabei bearbeiten musste (3 Milliarden Nukleotide), führte dazu, dass zunächst nur einzelne Chromosome untersucht wurden. Hinzu kommt, dass man jeweils nur bestimmte Typen von Unterschieden, z.B. die Insertionen (Einschiebungen) oder Deletionen (Löschungen) von Nukleotiden berücksichtigte. Nukleotide sind die Bausteine der Erbinformationen. Man hat festgestellt, dass es zwischen Schimpansen- und Menschengenom 1,23 % Substitutionen (Austausch) von Nukleotiden gibt, dazu 3 % Insertionen/Deletionen (Einfügung/Löschung) und 2,7 % Duplikationen (Verdoppelungen) (3). Zusammengezählt kommt man auf 6,93 % Unterschiede. Um das Ausmass der Unterschiede besser beurteilen, lässt dieses sich mit dem Informationsinhalt von Büchern vergleichen. Eine durchschnittliche Buchseite enthält etwa 4’000 Buchstaben. Ein Buchstabe entspreche einem Nukleotid. Wenn man nur von den Substitutionen ausgeht, die einen Unterschied von 1,23% ausmachen, sind das 36,9 Millionen Nukleotide. Mit 36,9 Millionen Buchstaben füllt man mehr als 9’225 Buch-Seiten, das sind 18 Bücher zu je 500 Seiten. 18 Bücher bilden einen Stapel von etwa einem Meter Höhe. Man bedenke, dass zudem jeder Buchstabe und jedes Wort in diesen „Büchern“ an der „richtigen“ (spezifizierten) Stelle stehen müsste, um richtig umgesetzt werden zu können. Das bedeutet, dass ein planloses Zusammenfügen der Bausteine des Genoms vernünftigerweise ausgeschlossen ist.

Einer Evolution von einem gemeinsamen Vorfahren stehen auch noch weitere Fragezeichen im Weg: Nicht nur kleine Genabschnitte sind unterschiedlich, auch sehr grosse. Schimpansen haben 48 Chromosomen, die Menschen aber nur 46. Man glaubt, dass sich bei der Evolution des Menschen zwei Chromosome zusammengeschlossen haben. Doch ein Zusammenschluss von Chromosomen ist noch kein Beweis für einen gemeinsamen Vorfahr. Es müssten auch selektive Vorteile feststellbar sein. Zusammenschlüsse von Chromosomen neigen ausserdem dazu, den reproduktiven Erfolg herabzusetzen. Die Chance, dass bei einem Mann und einer Frau fast gleichzeitig dieselben Chromosomen in der Keimbahn fusionierten, ist äusserst gering. Ihre Nachkommen durften sich ausserdem nicht mit Menschen vermischen, die keine Chromosomenzusammenschlüsse hatten. Das anzunehmen, ist unrealistisch.
Wenn man sich überdies überlegt, wie lange es dauert, um mindestens 40 Millionen Mutationen im menschlichen Genom zu fixieren, stösst man auf ein weiteres riesiges Problem. Man sagt, dass seit der Trennung von Schimpanse und Mensch sechs Millionen Jahre vergangen seien. Dann müssten jedes Jahr 6,15 spezifizierte Mutationen beim Menschen vorkommen, und zwar dieselben etwa gleichzeitig bei Mann und Frau und dazu noch in der Keimbahn. Und die Nachkommen jenes Paares dürften sich nicht mit solchen vermischen, welche nicht Träger derselben Mutationen sind (4).
Interessant ist übrigens ein Vergleich mit dem Mausgenom: Die Labormaus spielt in der Forschung eine wichtige Rolle. Man hat ihr Genom daher schon im Jahr 2002 entschlüsselt. Dann folgte eine Überraschung: Die Anzahl ihrer protein-codierenden Abschnitte ist praktisch gleich gross wie die beim Menschen. Und 99 % der protein-codierenden Abschnitte stimmen ausserdem mit dem menschlichen Genom überein (5). Das bedeutet, dass die Labormaus genetisch dem Menschen näher zu sein scheint als der Schimpanse.
Fazit: Dass man die Abstammung des Menschen von einem tierischen Vorfahren mit der Ähnlichkeit der Genome belegen kann, ist praktisch ausgeschlossen. Sowohl die Labormaus als auch die Schimpansen zeigen so grosse Unterschiede im Informationsinhalt ihrer Gene gegenüber dem Menschen, dass man mit guten Gründen einen hochintelligenten Schöpfer als Urheber annehmen darf. Die grossen übereinstimmenden Abschnitte in den Genomen kann man damit erklären, dass der Schöpfer offensichtlich bei allen Lebewesen möglichst viele gleiche Bausteine und denselben Code angewendet hat.

Quellen:

(1) David A. DeWitt, Chimp genome sequence very different from man, TJ 19(3) 2005, pages 4-5.
(2) The Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium 2005, Initial sequence of the chimpanzee genome and comparison with the human genome, Nature 437: 69-87, 2005.
(3) Wen-Hsiung et al., The chimpanzee and us, Nature 437, 50-51 (1 September 2005)
(4) Batten, D., Haldane’s dilemma has not been solved. TJ 19 (1): 20-21, 2005; ReMine, W.J., Cost theory and the cost of substitution – a clarification, TJ 19 (1):113-125, 2005.
(5) the mouse genome Nature 420, 515-516 (5 December 2002).

Von Hansruedi Stutz