Seit dem Sommer 2014 haben die Übergriffe auf Christen deutlich zugenommen, insbesondere im Mittleren Osten, Afrika und Asien. Weltweit werden Millionen Christen allein wegen ihres Glaubens oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit verfolgt. Der jährlich veröffentlichte Weltverfolgungsindex von Open Doors, der nun in aktueller Form vorliegt, ist eine Rangliste jener 50 Länder, in denen Christen am meisten betroffen sind.
Burgdorf/Wien, 7. Januar 2015 – Die jüngsten Erhebungen von Open Doors zeigen, dass insgesamt mehr Christen in mehr Ländern verfolgt werden. Zum 14. Mal (seit 2002) in Folge führt Nordkorea den Weltverfolgungsindex (WVI) an, gefolgt von Somalia (Platz 2, wie im Vorjahr) und Irak (4 im Vorjahr). Sie gehören zu jenen Ländern, in denen die Verfolgung mit 85 von 100 möglichen Punkten als „absolut“ bewertet wird. Die Verschlechterung im Irak ist der Terrororganisation Islamischer Staat zuzuschreiben; in Somalia und dem benachbarten Kenia (19/Vorjahr 43) ist die islamistische Al-Shabaab-Miliz für die Zuspitzung verantwortlich.

Drastische Zuspitzung in Afrika

Extremistengruppen wie Al-Shabaab, Al-Qaïda im Maghreb und Boko Haram in Nigeria sind die Haupturheber der Verfolgung. Ebenso machen subtilere Formen des Islamismus den Christen in Afrika das Leben schwer. Mit der Begründung, die heimische Kultur bewahren zu wollen, werden der gesamten Bevölkerung, ob muslimisch, andersgläubig, praktizierend oder nicht, islamische Praktiken aufgezwungen. Dies geschieht insbesondere in Dschibuti, Tansania und auf den Komoren.

Im Sudan hat die Islamisierung der Gesellschaft, wie bei der Unabhängigkeit des Südens angekündigt, mit dem weltweit Aufsehen erregenden Fall von Meriam Ishag eine dramatische Wendung genommen. Die junge Ärztin wurde wegen Apostasie zum Tod verurteilt und musste im Gefängnis ihr Kind zur Welt bringen. Dank internationaler Proteste wurde sie freigelassen und abgeschoben. Ihr wurde jedoch die Staatsangehörigkeit entzogen.

Auswirkungen politischer Veränderungen

In der Türkei und in Indien zeigen die Wahlen radikal religiöser und nationalistischer Regierungschefs negative Auswirkungen auf die Situation der Christen. Indien, mit 62 Punkten, ist von Platz 28 im Vorjahr auf Platz 21 vorgerückt und steht noch vor Ägypten. Die Türkei ist mit 20 Punkten auf Platz 41 neu auf dem WVI.

Nur wenige Verbesserungen

Während auf dem WVI 2015 zahlreiche Verschlechterungen zu verzeichnen sind, gibt es nur wenige Verbesserungen, und zwar in Äthiopien (22/Vorjahr 17), Laos (28/ Vorjahr 21) und Sri Lanka (44/Vorjahr 29). Länder wie Marokko und der Niger stehen nicht mehr auf dem Index: nicht weil sich die Lage grundlegend verbessert hätte, sondern weil sie von mehr Ländern mit Christenverfolgung verdrängt wurden. Die Mindestpunktzahl für eine Platzierung auf dem WVI ist von 35 Punkten im Jahr 2013 auf 45 Punkte für 2014 angestiegen. 2015 sind es bereits 49 Punkte.

Warum diese Verschlechterung?

Auch wenn gewalttätige Übergriffe die meisten Schlagzeilen machen und in die Bewertung der einzelnen Länder einfliessen, sind es die subtileren Formen der Verfolgung, unter denen Christen in einer Gesellschaft ebenso leiden. Die veränderte Platzierung einzelner Länder wiederspiegelt insbesondere die Ausgrenzung und Schikanen, denen Christen täglich ausgesetzt sind. Solche Formen sozialer Repressionen sind häufig eine Vorstufe von Gewalt.

Der Weltverfolgungsindex listet die Länder nach dem Schweregrad der Verfolgung und Repressionen von Christen auf. In dieser Form ist er einzigartig. Der jährlich aktualisierte Index gibt einen Gesamtüberblick über die Lage der Christen weltweit.

Der Weltverfolgungsindex 2015 ist online verfügbar unter:

https://www.portesouvertes.ch/de/Verfolgung/weltverfolgungsindex/