Die Schweizer Medien haben in den letzten Wochen Konvertiten vorgestellt: Schweizer, die zum Islam übergetreten sind. In den Vordergrund spielen konnten sich dabei jene, die den „Islamischen Zentralrat Schweiz“ gebildet haben. Sein Pressesprecher Qaasim Illi sagte im BZ-Talk mit Christian Waber, er habe mit der Pflegefamilie, die ihn als Kind aufnahm, eine Freikirche besucht, aber mit 14 den Anschluss verloren, als er mit seiner Mutter auf die Philippinen auswanderte. In der Freikirche habe er glauben gelernt, sagte Illi anerkennend.
Damit dürfte der Konvertit eine Ausnahme darstellen. In der reformierten Vorstadtfamilie von Christian Widmer (49), der sich den Namen Mustafa zugelegt hat, „spielte Religion kaum eine Rolle“. Bei Badeferien in Tunesien hörte er den Ruf des Muezzin. „Irgendwie ist mir das tief reingegangen“, erzählte Widmer der Reporterin der NZZ („Wie der Islam eine schweizerische Religion wird“, 24. April). Er bemüht sich mit seiner Familie um eine konsequent islamische Lebensweise.

Bei Iulia Gygax, wie Illi Kind einer allein erziehenden Mutter, ging es über die Liebe zu einem Flüchtling aus Pakistan, dem die Schweiz die Aufenthaltsgenehmigung entzog. Sie reiste mit in seine Heimat, wo seine Familie sie aufnahm, heiratete ihn und wurde Muslima. „Niemand hat mich gedrängt. Ich war ohne Religion aufgewachsen. Wenn ich eine Religion wählen sollte, dann nichts anderes als den Islam.“ Nach der Scheidung blieb Gygax Muslima. „Ich bin kein spiritueller Mensch“, sagte sie der NZZ.

Während einige Konvertiten sich in Organisationen mit radikalen Forderungen engagieren, tragen andere, so die NZZ, zur „Anpassung der vielfältigen Formen des Islam an den Schweizer Kontext“ bei und wirken als Vermittler.

Sechs Bemerkungen:
– Sowohl aus religiöser Gleichgültigkeit und areligiösem Milieu wie aufgrund längerer religiöser Suche und intensiver Prüfung kommen Schweizerinnen und Schweizer zum Entschluss, Allah als Gott und Mohammed als den, der ihn letztgültig offenbart, anzuerkennen. Konvertiten-Biografien lassen sich nicht über einen Leisten schlagen.

– Beide Wege zeigen Defizite der christlichen Kirchen und Gemeinden der Schweiz an – aber auch von Eltern und Lehrern, die das Christentum abgeschrieben haben. Eine Kirche, die bewussten Glauben weder kultiviert noch Menschen dazu einlädt, demissioniert – und schafft damit der Gesellschaft Probleme.

– Wenden sich Tausende von Schweizern dem Islam zu, wird er doch nicht – im Gegensatz zu dem, was der NZZ-Titel suggeriert – „eine schweizerische Religion“.

– Konvertiten vom Islam zur christlichen Religion, der die Grundwerte der Schweiz entstammen, sind für Medien (bisher) nicht interessant. Dass manche um Freiheit und Leben fürchten müssen (Todesstrafe für abgefallene Muslime in islamischer Tradition), ist Grund genug, sie vorzustellen – auch wenn sie ihr Gesicht nicht zeigen wollen!

– Wer hebt das Leiden, die Schmerzen und Demütigungen, die Schweizerinnen von (selbst gewählten) muslimischen Partnern erdulden, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit?

– Der Dialog, an dem sich bekennende Christen, praktizierende Muslime und säkulare Einwohner des Landes beteiligen sollen, setzt voraus, dass sie einander ins Gesicht sehen. Mit Niqab und Burka geht das nicht.

Quelle: Livenet

http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/29/51467/

Peter Schmid (Livenet)