Während die Psychologie während Jahrzehnten die Geschlechterunterschiede tendenziell einnivellierte, hebt sie diese jetzt wieder vermehrt hervor. Die klinische Psychologin und Paartherapeutin Christina Breitenstein hat zum Beispiel im Rahmen einer Studie des Instituts für Klinische Psychologie der Universität Zürich interessante Unterschiede bei der Mediennutzung durch männliche und weibliche Jugendliche festgestellt.
Zuerst ein wenig überraschender Befund: Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahre besitzen oder nutzen zu fast 100% ein Handy, meistens ein Smartphone (95%). In 98% der Haushalte ist auch mindestens ein Computer im Einsatz, und 98% haben zuhause einen Internetanschluss. Beim Handybesitz liegen die Mädchen allerdings leicht vor den Jungen, während diese öfter ein Tablet oder eine Spielkonsole haben. Je älter die Jugendlichen werden, desto mehr Geräte setzen sie ein.

Die Unterschiede

Unterschiede gibt es bei der Nutzung: Während Mädchen öfter digitale Bilder machen und Musik hören, gamen Jungs öfter, spielen markant öfter Videogames und schauen Videos. Beim chatten und Verweilen in sozialen Netzwerken halten sich die Geschlechter die Waage. Im Vergleich mit den Mädchen unterscheiden sich die männlichen Jugendlichen im besseren Verständnis der Technik, das sie auch entsprechend einsetzen, zum Beispiel beim Installieren von Programmen und Netzwerken oder dem Erstellen von Webseiten. Sie sind aber unvorsichtiger beim Preisgeben persönlicher Daten als die Mädchen. Häufiger als die Mädchen nutzen sie auch einen Computer ohne Internetanschluss, während Mädchen häufiger als die Jungs eine digitale Fotokamera verwenden.

Die Herausforderung für beide Geschlechter liegt im (mangelnden) Wissen über Sicherheit, Rechte und Pflichten im Umgang mit dem Netz und in der Verwaltung persönlicher Daten. Hier braucht es laut Christina Breitenstein mehr Prävention und Information. Heute sind die Jungen häufig mit Gewalt und Pornografie konfrontiert, während Mädchen häufiger sexuell belästigt werden. Prävention bleibt zentral, so das Fazit der Psychologin. Nicht nur für die betroffenen Jugendlichen selbst, sondern ihre Lehrpersonen und Eltern sollten sich auf dem Laufenden halten. Eltern sollten darauf achten, die Entwicklung ihrer Kinder und der Medien zu beobachten und mit den Kindern im Gespräch darüber zu bleiben. „Denn der kompetente Umgang der Medien wird zuhause gelernt“, betont Breitenstein.

(Quelle: Schweizerische Stiftung für die Familie SFF)