Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), wünscht sich vom Bundesrat ein Zeichen der Solidarität für die Muslime, die nach dem Angriff auf „Charlie Hebdo“ gesellschaftlich unter Druck geraten sind. Hisham Maizar lobt gemäss 20 Minuten Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre öffentliche Aussage: „Der Islam gehört zu Deutschland“. Ein solches Zeichen wünsche sich der gebürtige Palästinenser auch von der Schweizer Landesregierung.
Merkel war für ihre Islam-Aussage u.a. von ranghohen Vertretern ihrer eigenen Partei scharf kritisiert worden. Zuletzt hat Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich der Aussage der Kanzlerin widersprochen. Von muslimischen Verbänden fordert der CDU-Ministerpräsident nach Bericht deutscher Medien, sich klarer vom islamistischen Terror zu distanzieren. Die Menschen hätten Angst vor dem Islam, weil Terrorakte im Namen des Islam verübt würden. Die muslimischen Verbände könnten den Menschen diese Ängste nehmen, wenn sie klar formulierten, dass es sich um einen Missbrauch ihrer Religion handele. Dem Ministerpräsidenten zufolge sind Muslime in Deutschland willkommen und können ihre Religion ausüben: „Das bedeutet aber nicht, dass der Islam zu Sachsen gehört.“

Zukunft CH hat bei den Präsidenten der Schweizer Bundesratsparteien nachgefragt, ob der Islam ihrer Meinung nach zur Schweiz gehört. Drei der fünf Präsidenten gaben eine Antwort.

Antworten von BDP, CVP und FDP

Für Philipp Müller (FDP), der betont, dass die rund 400‘000 Muslime in der Schweiz mit ihrer täglichen Arbeit zum wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz beitragen, ist die Frage nach dem Islam nicht vordringlich: „Grundsätzlich ist die Frage der Integration von Ausländern viel wichtiger, als eine Diskussion über einzelne Religionen und ‚wo diese hingehören‘.“

Martin Landolt (BDP) findet, der Islam habe „Platz in der Schweiz“. Die Religionsfreiheit solle es Angehörigen einer Religion ermöglichen, diese auch zu praktizieren, solange dabei nicht Gesetze und Spielregeln unserer Gesellschaft wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau verletzt würden.

Christoph Darbellay (CVP) sagt in seiner ausführlichen Stellungnahme u.a., dass die CVP zur Religionsfreiheit und den damit verbundenen Rechten und Pflichten steht. Eine Religion könne in der Schweiz aber auch ausgeübt werden, ohne dass die Glaubensgemeinschaft auf kantonaler oder gar nationaler Ebene als Landeskirche akzeptiert sei: „Die Grundlage der Schweiz beruht auf einer christlich-abendländischen Kultur. Trotz eines respektvollen Nebeneinanders verschiedener Kulturen und Religionen ist die CVP gegen eine weitere Landeskirche neben der christlichen.“

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Die Antworten der Parteipräsidenten in voller Länge

Martin Landolt: „Der Islam hat Platz in der Schweiz“

„Der Islam hat Platz in der Schweiz. Die Religion ist ein individueller und privater Entscheid, den jeder und jede für sich selber treffen dürfen soll. Die Religionsfreiheit soll es den Angehörigen einer Religion ermöglichen, diese auch zu praktizieren, solange dabei nicht Gesetze und Spielregeln unserer Gesellschaft, so zum Beispiel die Gleichberechtigung von Mann und Frau, verletzt werden.“

Christophe Darbellay: „Die CVP ist gegen eine weitere Landeskirche“

• „Die Religionsfreiheit wird durch die Schweizer Verfassung und unsere Gesetze garantiert. Die Ausübung der Religionsfreiheit kann aber nur innerhalb der Grundprinzipien unseres freiheitlich-demokratisch verfassten Staats erfolgen. Die Rechtsordnung schafft Chancengleichheit und beinhaltet Grundwerte wie Menschenwürde, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Freiheit und Diskriminierungsverbot.

• Die CVP steht zur Religionsfreiheit und den damit verbundenen Rechten und Pflichten. Eine Religion kann in der Schweiz aber auch ausgeübt werden, ohne dass die Glaubensgemeinschaft auf kantonaler oder gar nationaler Ebene als Landeskirche akzeptiert ist.

• Die Grundlage der Schweiz beruht auf einer christlich-abendländischen Kultur. Trotz eines respektvollen Nebeneinanders verschiedener Kulturen und Religionen ist die CVP gegen eine weitere Landeskirche neben der christlichen.

• Die öffentlich rechtliche Anerkennung einer Kirche ist mit vielen Vorteile verbunden. Die Kirche darf Steuern erheben, hat Zugang zu sensiblen Daten, darf Seelsorgedienst (in Spitäler und Altersheime z. B) usw. Das sehe ich im Fall des Islams nicht.

• Islam ist nicht die einzige Religion die nicht vom Staat anerkannt wird. Es steht trotzdem nichts im Weg, sich in die Schweiz zu integrieren und friedlich miteinander zu leben.

Philippe Müller: „Frage nach Integration ist wichtiger als Diskussion über einzelne Religionen“

„Rund 400‘000 Musliminnen und Muslime leben in der Schweiz und die grosse Mehrheit ist sehr gut integriert. Sie tragen mit ihrer täglichen Arbeit zum wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz bei. Grundsätzlich ist die Frage der Integration von Ausländern viel wichtiger, als eine Diskussion über einzelne Religionen und ‚wo diese hingehören‘.“