Dürfen wir Christen schweigen?

Offener Brief an bekennende Christen

Dürfen wir Christen angesichts der Gräueltaten in Syrien schweigen? Vor der Augen der ganzen Welt wird ein abscheulicher Plan umgesetzt und die christlichen Gemeinden bleiben still und nur mit sich selbst beschäftigt?

Beat Schmid

Viele Augenzeugenberichte und Filmaufnahmen belegen derzeit unzählige Verbrechen gegen das Völkerrecht. Im Auftrag von Erdogan und unter türkischem Oberbefehl verübt die dschihadistische Söldnerarmee zusammengesetzt aus salafistischen Terroristen, Ex-IS- und Al-Qaida-Kämpfer abscheuliche Kriegsverbrechen an der kurdischen und christlichen Zivilbevölkerung. Sie scheinen nur darauf gewartet zu haben, Christen und „Ungläubige“ massakrieren zu können. Nicht von ungefähr ist ihr Schlachtruf das typische „Allahu Akbar“ (Allah ist der Grösste).

Die Befürchtungen bewahrheiten sich: Erneut müssen sich die Kurden gegen die Mörder verteidigen, die sie im sechsjährigen Kampf unter grossen Opfern fast im Alleingang auch zum Segen des freien Westens bezwungen hatten. Erdogan, Trump, Assad, Putin und auch die EU verfolgen auf Kosten der Kurden rücksichtslos ihre machtpolitischen Ziele. Der Traum von einem kurdischen, demokratisch regierten Autonomiegebiet Rojava ist verloren. Das kurdische Volk ist in einer verzweifelten Situation.

Die türkische Invasion in Nordsyrien hat nicht nur das Ziel, die Kurden zu vertreiben. Auch Christen müssen einmal mehr mit Terror, Vertreibung, Gewalt und sogar Tod rechnen. Trotz erklärtem „Waffenstillstand“ geht das Morden der dschihadistischen Söldner Erdogans an Kurden und Christen in Nordsyrien weiter. Journalisten vor Ort berichten: Der Plan Erdogans ist nicht an einem bestimmten Ort zu stoppen. Vielmehr will er mit seinen Truppen vor allem Orte mit vielen Christen, wie etwa Tel Tamer, einnehmen. Die Bewohner sind in Panik. Auf offener Strasse finden Hinrichtungen statt. Die türkische Luftwaffe bombardiert zivile Ziele (Quellen: Dave Eubank, Tel Tamer; Mustafa Ali, Qamischli; Amnesty International; u.a.).

Und die Schweiz?

Die Situation in Nordsyrien ist auch ein Weckruf für die Christen in der Schweiz. Viele von uns meinen, dass sie die „Stillen im Lande“ sein sollen. Darunter verstehen sie eine ruhige, gutbürgerliche Normalität, mit der sie möglichst nirgendwo anecken. Es ist richtig, dass Jesus Christus oft die Stille zum Gespräch mit seinem himmlischen Vater suchte. In der Stille schöpfte er jedoch die Kraft, tagsüber fast ständig auf den Strassen, Plätzen und im Tempel, d.h. in der Öffentlichkeit zu wirken und erregte dabei überall Anstoss. Jesus hat seinen Nachfolgern keine ruhige „Sicherheits- und Wohlfühlzone“ versprochen. Vielmehr hat er sie dazu berufen, seine Zeugen in der ganzen Welt zu sein. In der Vergangenheit haben bekannte Persönlichkeiten diese Balance von Stille und öffentlichem Engagement überzeugend vorgelebt, wie z.B. Niklaus von Flüe, Christian Friedrich Spittler, John Wesley, Dietrich Bonhoeffer, Pfr. Sieber u.v.a.

Leider haben wir Schweizer Christen es in den vergangenen Jahrzehnten zugelassen, dass unser Glaube immer mehr aus der Öffentlichkeit verbannt und auf fromme Reservate begrenzt wird. Gottes Wort findet heute in den Schulen, Universitäten, Spitälern, Parlamenten usw. keine Beachtung mehr oder ist gar verboten. Als christliche Gemeinde der Schweiz haben wir versagt, „Salz und Licht“ für unser Land zu sein. Wir sollten darüber Busse tun und wieder den Mut haben, aufzustehen und hinaus in die Öffentlichkeit zu gehen, egal was es kostet.

Mitarbeiter verschiedener christlicher Hilfswerke (AVC, CSI, HMK, Open Doors, Kirche in Not u.a.) leisten unter Einsatz ihres Lebens in Nordsyrien Soforthilfe. Sie und die notleidenden Kurden und Christen brauchen unsere Unterstützung und ein deutliches Zeichen der Solidarität auf der Strasse. Jetzt ist die Zeit, für die verfolgten Menschen in Nordsyrien die Stimme zu erheben, zu beten und öffentlich Stellung gegen den Terror zu beziehen!

Ein erster Schritt ist die Mahnwache :

Mahnwache für verfolgte Christen und Minderheiten
am 8. November 2019, 17–19 Uhr
Waisenhausplatz Bern
Organisiert von fingerprint und befreundeten Werken

Sei dabei – erhebe deine Stimme!

Flyer Mahnwache 8.11.19

2019-11-07T14:15:12+00:00 05.11.2019|