Im Juni berichtete die NZZ über Ehrenmorde in Grossbritannien. Anlass war die Ermordung der 20jährigen Kurdin Banaz Mahmod in Birmingham. Mehrere Männer, vom Vater und vom Onkel des Mädchens beauftragt, brachten Banaz um, steckten sie in einen Koffer und vergruben diesen in einem Hinterhof. Der Grund fur diesen organisierten Mord? Die Beseitigung einer „Familienschande“. Banaz wurde bereits mit 17 Jahren zwangsverheiratet, wollte sich aber nicht von ihrem Freund Rahmat, einem gut integrierten Kurden, trennen. Die Zwangsheirat war somit gescheitert. Ausserdem kleidete sich das Mädchen „zu westlich“. Das war Grund genug, einen „Ältestenrat“ einzuberufen, der dann den Mordentscheid fallte. Auch Rahmat sollte ermordet werden, entkam dem Anschlag aber knapp. Banaz hatte dieses Glück nicht, vier Mal hatte sie die Polizei konkret über die Mordpläne ihrer Familie informiert, das letzte Mal kurz vor ihrer Ermordung.
Etwa 200 Ehrenmorde gibt es in Grossbritannien pro Jahr, der britische Staatsanwalt Nazir Afzal, selbst Muslim, schätzt die Dunkelziffer um ein Mehrfaches höher. Banaz ist also kein Einzelfall. Und Grossbritannien ist kein Ausnahmeland. Weltweit kommt die UNO auf 5000 Ehrenmorde (ohne Dunkelziffer) jährlich, viele davon inzwischen in Europa. Auch in der Schweiz gibt es Ehrenmorde, letztes Jahr wurde der Prozess gegen einen Pakistaner aus dem Tessin geführt, der seine Frau mit einem Hammer brutal ermordete, weil sie nach der Zwangsheirat weiterhin ein „westliches“ Leben führen und schliesslich die Scheidung wollte.
Ehrenmorde seien nur eines von vielen Zeichen der gescheiterten Integration, urteilt die NZZ: „Als besonders brutale Form einer gescheiterten Integration ist sie alarmierend, zumal der Mord nur die letzte, aber nicht einzige Gewalttat einer moralischen und körperlichen Unterdrückung ist. Junge Frauen werden eingeschüchtert, entführt, verunstaltet, vergewaltigt, eingeschlossen und wie Sklavinnen gehalten, um sie von westlich-städtischen Einflussen zu „retten“ und „Schande“ von der Familie abzuwenden.“ Immer mehr muslimische Familien lebten nach der Scharia, dem islamischen Gesetz. Und die Polizei übe dabei aus falschem Respekt gegenüber der Multikultigesellschaft Zurückhaltung aus, was bedenklich sei. In Banaz‘ Fall war diese Zurückhaltung nicht nur bedenklich, sondern sogar tödlich. Ihr Onkel machte es bereits vor ihrer Ermordung deutlich, als er sagte: „Du verdienst nur, Asche zu werden.“

Die NZZ urteilt ganz richtig, wenn sie feststellt, dass Ehrenmorde nur eine von vielen Formen der Unterdrückung junger muslimischer Frauen sind. Nachdem lange Zeit z. B. uber Zwangsheiraten in der Schweiz keine konkreten Angaben existierten, lieferte nun eine erste Untersuchung in den Kantonen Waadt, Genf, Freiburg, Bern, Zurich und Basel alarmierende Zahlen: Mehrere tausend Fälle von Zwangsehen durfte es in der Schweiz geben – so das Ergebnis der Lausanner Stiftung Surgir, die sich weltweit für die Opfer von Ehrenmorden engagiert und diese Untersuchung durchführte. Zwangsheiraten verletzen zwar die UNO-Bestimmungen zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau, die Menschenrechte sowie das Schweizerische Straf- und Zivilgesetz, trotzdem finden sie statt. Dass über diese Missstände aufgeklärt wird und auch über andere Verletzungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundrechte, dafur setzen wir von Zukunft CH uns ein.