Als im Mai 2013 die studentische Fachgruppe Gender Studies der Uni Basel zum „Sextoys basteln“ einlud, löste dies kurzfristig Empörung über diese aufstrebende Studienrichtung aus, von der immer noch viele nicht wissen, worum es eigentlich geht. Inzwischen hat sich der Sturm der Entrüstung wieder gelegt. Die Gender Studies aber setzen weiter auf zerstörerische Sexualpraktiken, um die Geschlechterordnung auszuhebeln.

Von Dominik Lusser

Nachdem das Zentrum für Geschlechterforschung der Uni Basel im Mai 2013 zum Basteln von Dildos, Peitschen und Fesseln eingeladen hatte, forderten Interpellationen in den Parlamenten der beiden Basel Rechenschaft über Finanzierung, Qualitätsstandards sowie Sinn und Zweck der Gender Studies. Die Baselländer wie die Baselstädter Regierung stellten daraufhin den Gender Studies jedoch ein positives Zeugnis aus. Die finanzielle Unterstützung von jeweils 168‘000 Franken jährlich sei allemal gerechtfertigt. Die Baselbieter Regierung meinte schlicht, dass der Bastelkurs mit dem Lehr- und Forschungsprogramm der Gender Studies nichts zu tun gehabt habe. Und schon herrschte wieder Ruhe am Rheinknie.

Sex als Waffe im Gender-Krieg

Ganz zur Freude der Gender Studies, die sich auch 2014 wieder unbehelligt ihrem Hauptgeschäft widmen können; der Dekonstruktion der heteronormativen zweigeschlechtlichen Gesellschaftsordnung, dem sogenannten Undoing gender. Doch was ist damit gemeint und was hat das Ganze mit dem Basteln von Peitschen, Dildos und anderen Sextoys zu tun?

Gemäss Gender-Theorie sind Geschlechtsidentitäten und Geschlechtsunterschiede nicht naturgegeben, sondern Resultat eines fortlaufenden Tuns, des sogenannten Doing gender. Dieser Prozess sei durch die Machtverhältnisse der patriarchalen Gesellschaft bestimmt, die es durch subversive Praktiken auszuhebeln gelte.

Ganz zentral dabei ist die Praxis sexueller Subkultur! Schon die feministische Bewegung der 1970er Jahre erklärte den heterosexuellen Geschlechtsakt zum patriarchalen Ausbeutungsszenario. Feministinnen begannen damals in Selbsterfahrungsgruppen zu experimentieren, wie weibliches Begehren jenseits einer heterosexuellen Beziehung gelebt werden kann. Auch die Queer-Bewegung hat das subversive Potential normabweichender Sexualpraktiken früh erkannt. Für den schwulen Queer-Theoretiker Michel Foucault ist sogar Sadomasochismus eine positive Möglichkeit der Unterminierung bestehender Machtverhältnisse. SM-Spiele seien nicht ein Wiederherstellen von Machtstrukturen, sondern ein Durchspielen von Machtstrukturen in einem strategischen Spiel. Denn manchmal fange die Szene mit dem Herrn und dem Sklaven an, am Ende aber sei der Sklave zum Herrn geworden.

„Kontrasexuelle Gesellschaft“

Auch in den Gender Studies, dem pseudowissenschaftlichen Standbein der queer-feministischen Szene, ist die revolutionäre Gewalt nicht normkonformer Sexualpraktiken ein ganz zentrales Thema. Das wissen auch die Basler Gender-Studenten, die mit ihrem Workshop das „subversive und emanzipatorische Potential“ von Sexualität „ausloten“ wollten. Der Dildo repräsentiert, so eine Vertreterin der Fachgruppe, „die kulturelle Konstruktion des Phallus.“ Gleichzeitig stehe er auch für ein nicht-reproduktives Begehren, das ohne den Mann auskomme.

Das ist exakt das Gedankengut, das die spanische Gender-Expertin Beatriz Preciado in ihrem Skandal-Buch „Kontrasexuelles Manifest“ (2003) entwickelt hat. Preciado schlägt vor, nicht mehr den Penis als das Original und den Dildo als Kopie zu sehen, sondern den Dildo als Ursprung, der in unterschiedlichsten Varianten existiert. Das Gegenstück zum Dildo sei der Anus, der ins Zentrum der Lust gerückt werden solle, da im Gegensatz zur Vagina jeder Mensch einen besitze. Ledwina Siegrist und Laura Eigenmann, beide am Basler Gender-Zentrum in der Lehre tätig, ziehen in der queeren Jugend-Zeitschrift Milchbüechli aus Preciados Buch den Schluss, dass das heterosexuelle System der Geschlechterrollen bald ausgedient hat: In der „kontrasexuellen Gesellschaft“ finden so nicht mehr Männer und Frauen, nicht Schwule und Lesben zueinander, sondern gleichwertige Körper.

Dekonstruktion oder Destruktion?

Etwas nüchterner und vermeintlich wissenschaftlicher beschreibt das Basler Vorlesungsverzeichnis vom Sommersemester 2004 die Queer-Theorie als „Denaturalisierung normativer Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit, die Entkoppelung der Kategorien des Geschlechts und der Sexualität, die Destabilisierung des Binarismus von Hetero- und Homosexualität sowie die Anerkennung eines sexuellen Pluralismus, der neben schwuler und lesbischer Sexualität auch Bisexualität, Transsexualität und Sadomasochismus einbezieht.“

In diesem Sinn bricht Christa Binswanger, Habilitandin am Basler Gender-Zentrum, eine Lanze für SM-Sex als „Zugewinn an Handlungsermächtigung“. In der Festschrift zum 60. Geburtstag der Basler Gender-Päpstin Andrea Maihofer erklärt sie, wie bei SM das kulturelle sexuelle Handlungsmuster männlicher Dominanz und weiblicher Unterwerfung subversiv umgeschrieben wird, indem Geschlechterrollen prinzipiell austauschbar werden. Es finde, wie sie weiter ausführt, „ein undoing vergeschlechtlichter kultureller sexueller Skripts statt.“ SM-Beziehungen liessen sich so als „eine subversive Spielart der Überschreitung des modernen Identitätsprojekts des Sexuellen und seiner Prägung durch geschlechtercodierte Angst und durch Politiken von Dominanz und Unterwerfung interpretieren.“ Was die queer-feministische Bewegung als De-kon-struktion bezeichnet, meint also eigentlich De-struktion.

„Süsser Schmerz“

Und so geht es munter weiter, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Auf Genderdcampus.ch, der vom Bund unterstützen Informations- und Vernetzungsplattform der Gender Studies, sowie auf der Facebook-Seite von Gender Studies Basel wird aktuell das schwul-lesbische Filmfestival „Luststreifen 2014 – Süsser Schmerz“ beworben, das vom 2. – 5. Oktober Oktober 2014 im Neuen Kino Basel stattfindet. Man beschränkt sich dort nicht nur auf die Leinwand, heisst es beim Veranstalter: „In gleich zwei Workshops können wir unter fachkundiger Anleitung unsere Grenzen ausloten. Sexpertin Alexandra Haas und BDSM-Insider Hermann Dubach helfen uns, Sadomasochismus in den sexuellen Alltag einzubauen, und Michael Ronsky führt interessierte Paare in die japanische Bondage-Kunst Shibari/Kinbaku ein.“

Auf dem Kinoprogramm, für das Ledwina Siegrist verantwortlich ist, steht unter anderem „Ein Wochenende in Deutschland“: Gezeigt werden die Rentner Manfred und Jürgen, die ihren freien Samstag mit Gartenarbeit, Sonnen und etwas Streit geniessen. „Sonntags kommt Rosi zur SM-Session zu Besuch. Ein ganz normales Wochenende in Deutschland. In „Ritual“ geht es dann um das „Aufhängen an der eigenen Haut“, ein seelisches Ritual eines HIV-Infizierten.

Unterstützt wird der Anlass nebst der Aids-Hilfe der beiden Basel auch vom Swisslos-Fonds Basel Stadt. Gesucht sind jetzt dringend Politiker, die von der Basler Regierung Rechenschaft einfordern, wieso für Gemeinnützigkeit und Wohltätigkeit reservierte Gelder zur systematischen Zerstörung der Gesellschaft eingesetzt werden. Doch wundern tut uns das nicht wirklich: Wer Gender Studies für wissenschaftlich hält, der schreckt eben auch nicht davor zurück, SM-Porno zum Kulturgut zu erklären. Beides gehört zu ein und demselben Programm!