Das deutsche „brain drain“ in der Schweiz

Die Schweiz importiert gegenwärtig ärztliches Humankapital im Wert von rund 1,9 Milliarden Franken aus Deutschland. Auf diese Zahl kommt der Potsdamer Politikwissenschaftler Heribert Dieter in der NZZ vom 6. April 2019. Er stellt in Rechnung, dass aktuell 6‘500 Mediziner aus Deutschland in der Schweiz arbeiten und dass die Ausbildung jeder dieser Ärzte den deutschen Steuerzahler ca. 250‘000 Euro gekostet hat.

Mit dem Import von Humankapital spart die Schweiz laut dem Politikwissenschaftler beachtliche Ausbildungskosten. Deutschland hingegen habe mit seinem „brain drain“ (Abwanderung von Humankapital) das Nachsehen. Das Phänomen beschränkt sich laut Dieter aber nicht nur auf den Arztberuf. „Für Deutschland ist die gegenwärtige Migrationspolitik doppelt misslich“, lautet seine Diagnose: „Das Land verliert auf Kosten des Steuerzahlers ausgebildete Hochqualifizierte – nicht anders als afrikanische Länder oder Indien. Zugleich wandern weiterhin Geringqualifizierte ein und belasten den Sozialstaat.“ Der Politikwissenschaftler sieht darum mittel- und langfristig Deutschland auf eine strukturelle Krise in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zusteuern.

2019-05-28T10:32:08+00:00 27.05.2019|