In Berlin-Neukölln entsteht eine Kindertagesstätte mit Verbindungen zu radikalen Netzwerken, finanziert mit 4,2 Millionen Euro Steuergeldern. Vom Betreiber führen Verbindungen zu radikal-islamischen Organisationen, deren religiöser Führer im Irak, Ali as-Sistani, sexuelle Beziehungen mit neunjährigen Mädchen erlaubt. Genau diese und weitere brisante Erkenntnisse über den Betreiber haben den Berliner Senat aufgeschreckt. Noch nie floss so viel öffentliches Geld in eine Kita. Ein Grossteil davon ist bereits ausgegeben, nun soll ein Beirat das Projekt kontrollieren

Von M. Hikmat

Der Träger der geplanten Kita, die BNIG gGmbH, stand unter der Leitung von Mohamed Amer. Über Jahre hinweg war er in extremistischen Strukturen aktiv, die von Sicherheitsbehörden sehr kritisch beobachtet werden.

Verflechtungen mit radikalen Strukturen

Amer war zwischen 2010 und 2013 Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) und danach bis 2017 stellvertretender Vorsitzender. Dieser Organisation wiederum wird vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz „Nähe zum schiitischen Islamismus“ bescheinigt. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnet die IGS einem Umfeld zu, das Verbindungen zum inzwischen verbotenen Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) aufweist – einer Einrichtung, die als „bedeutendes Propagandazentrum des Iran in Europa“ gilt.

Hier wird deutlich: Es geht hier nicht um eine isolierte Personalie, sondern um ein Netzwerk von Beziehungen, das weit über Berlin hinausreicht. Die Verbindungen führen über den Moscheeverein Torath e. V., der an derselben Adresse wie die geplante Kita sitzt. Dieser Verein selbst bezeichnet sich als „Verbindungsbüro des Grossgelehrten Ayatollah Ali al-Husaini as-Sistani für Deutschland“, dessen Partner die Imam-Ali-Foundation in London ist. Sistani, der sexuelle Beziehungen mit neunjährigen Mädchen zulässt, ehrte 2024 den getöteten Hizbullah-Terrorchef Hassan Nasrallah als „einzigartigen Führer“.

Damit entsteht eine direkte ideelle Brücke zwischen einem staatlich geförderten Bildungsprojekt und einem religiösen Einflussraum, dessen Werte und Normen nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung übereinstimmen.

Brisante Inhalte und religiöse Positionen

Besonders brisant wird diese Verbindung, wenn man die inhaltlichen Positionen betrachtet, die aus diesem Umfeld stammen. Amers Anwalt behauptet, alle „Berührungspunkte“ seien 2018 beendet. Doch ein brisantes Dokument widerlegt das: „Religiöses Gutachten der islamischen Theologen über die islamischen Bekleidungsvorschriften bei Mädchen und Frauen (Hidschab)“ erklärt wortwörtlich, „dass die Religionsmündigkeit nach islamischem Recht, und damit das religiöse Gebot des Hidschabs und Kopftuchs, durchaus bereits im Alter von knapp neun Jahren eintreten kann“. Unterzeichnet ist es von Torath, IZH, IGS und anderen, mit Amer als „Vertreter der höheren schiitischen Autoritäten“ neben dem 2024 abgeschobenen IZH-Chef Mohammes Hadi Mofatteh.

Ein wiederkehrendes Muster

Der Fall ist deshalb so aufschlussreich, weil er ein Muster sichtbar macht, das sich in ähnlicher Form immer wieder beobachten lässt. Strukturen entstehen nicht zufällig, sondern entwickeln sich schrittweise: Zunächst werden Vereine gegründet, dann Netzwerke aufgebaut, anschliessend folgen institutionelle Projekte – etwa Moscheen, Bildungsangebote oder soziale Einrichtungen. Oft geschieht dies innerhalb der bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten und mit staatlicher Unterstützung. Erst später wird deutlich, welche ideologischen Grundlagen dahinterstehen und welche langfristigen Ziele damit verbunden sein könnten.

Dabei geht es nicht um Religion als solche, sondern um politische Ausprägungen, die über den rein privaten Glauben hinausgehen. Wenn religiöse Autoritäten normative Vorstellungen vertreten, die mit zentralen Prinzipien wie Gleichberechtigung, Kindeswohl oder individueller Freiheit kollidieren, entsteht ein Spannungsfeld, das nicht ignoriert werden kann. Gerade im Bildungsbereich wird dieses Spannungsfeld besonders deutlich, weil hier Werte vermittelt und Weltbilder geprägt werden.

Zwischen Naivität und Kontrollverlust

Die wiederkehrende Dynamik wirft eine unbequeme Frage auf: Reagieren staatliche Stellen zu spät? In vielen Fällen scheint die Prüfung erst dann zu erfolgen, wenn Projekte bereits laufen, Gelder geflossen sind und Strukturen geschaffen wurden. Der Handlungsspielraum wird dadurch kleiner, während der politische und gesellschaftliche Druck steigt. Es entsteht der Eindruck, dass man Entwicklungen hinterherläuft, statt sie im Vorfeld klar zu definieren und zu steuern.

Kritiker sehen darin eine gewisse Naivität – oder zumindest mangelnde Konsequenz. Denn während staatliche Institutionen häufig zögerlich agieren, verfolgen ideologisch motivierte Akteure ihre Ziele langfristig, strategisch und mit klarer Zielsetzung. Dadurch verschiebt sich das Kräfteverhältnis schleichend, aber kontinuierlich.

Mehr als nur ein lokales Projekt

Der Fall der Kita in Neukölln ist weit mehr als eine lokale Kontroverse. Er zeigt, wie komplex das Zusammenspiel von Integration, Religionsfreiheit, staatlicher Förderung und gesellschaftlichen Werten geworden ist. Die zentrale Frage lautet nicht, ob eine Kita gebaut werden soll, sondern unter welchen Voraussetzungen und mit welchen inhaltlichen Leitlinien.

Denn am Ende geht es um mehr als Infrastruktur. Es geht um Vertrauen, um die Frage der Verantwortung im Umgang mit Steuergeldern und um die Grundwerte, auf denen eine Gesellschaft aufbaut. Wenn diese Fragen nicht klar beantwortet werden, bleibt ein Gefühl der Unsicherheit zurück und genau das ist der Nährboden für weitere Konflikte.

Bestellen Sie passend zum Thema unsere Publikation „Im Fokus: Mehr Islam – weniger Europa?“ jetzt über das Bestellformular. (Bestellungen aus dem Ausland nur bei Übernahme des Portos).