Am Freitag, 19. Januar 2018, demonstrierten in Washington 500’000 Personen am 45. „March for Life“ für das Lebensrecht der Ungeborenen. Am Sonntag, 21. Januar, folgten trotz Regenschauer 40’000 Franzosen beim 13. „Marche pour la vie“ in Paris dem amerikanischen Beispiel.  

Mit Donald Trump sprach erstmals in der Geschichte ein amerikanischer Präsident direkt zu den Teilnehmern des weltweit grössten Lebensrechts-Marsches. In seiner Rede bezeichnete der US-Präsident den Marsch als „eine Bewegung der Liebe“.

Kulturwandel in den USA

Gleichentags rief der Präsident den 22. Januar 2018 zum „Nationalen Tag der Heiligkeit des menschlichen Lebens“ aus. In seiner Erklärung bekräftigte er, „dass jedes Leben heilig ist und dass jeder Person Würde und Wert innewohnt“. Trump drückte seine Dankbarkeit darüber aus, dass die Zahl der Abtreibungen seit 1980 stetig zurückgegangen ist und nun einen historischen Tiefst-Stand erreicht hat. Doch betonte er: „Der Kampf für die Verteidigung des Lebens ist noch nicht vorbei. Wir verpflichten uns, jeden Tag für all jene einzutreten, die nicht für sich selbst sprechen können.“ Am 22. Januar 1973 hatte der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten den Grundsatzentscheid zur Legalisierung der Tötung ungeborener Kinder gefällt.

Zurück zum Marsch: „Es war ein unglaubliches Erlebnis, wie viele Leute in den USA bereit sind, für die ungeborenen Kinder auf die Strasse zu gehen“, schilderte Manuela Steiner von „Jugend für das Leben“-Österreich ihre persönlichen Eindrücke gegenüber dem Nachrichtenportal kath.net. Steiner war auch überrascht, dass nur eine kleine Gruppe gegen den Marsch demonstrierte. Und ihr Kollege Thomas Brüderl, der ebenfalls beim Marsch dabei war, ergänzte: „Man merkt, wie der Kulturwandel in den USA schon weit fortgeschritten ist und wie die Pro-Life-Gruppen dort mit Vollgas und vollprofessionell arbeiten und Überzeugungsarbeit leisten. Genau dasselbe brauchen wir in Österreich und in Europa auch.“

Junge, kämpferische Franzosen

Zwei Tage nach dem Mega-Event in Washington gingen in Paris 40’000 Menschen für das ungeborene Leben auf die Strasse. Im Mittelpunkt stand dieses Jahr die in Frankreich anstehende Revision des Bioethik-Gesetzes. Darin seien schwerwiegende Grenzüberschreitungen geplant, wie Nicolas Sevillia, Generaldelegierter des „Marche pour la vie“ gemäss Medienmitteilung erklärte: „Wir sind erfreut über diese grosse Menschenansammlung für das Leben, was zeigt, dass die Schlacht keineswegs verloren ist.“

Die Anzahl von 40’000 Teilnehmern ist darum umso beachtlicher, da sich das Wetter in Paris nicht von der freundlichsten Seite zeigte. Cécile Edel, Präsidentin von „Choisir la Vie“ und Vizepräsidentin des Marsches, zieht im Interview mit der Zeitschrift „L’homme nouveau“ ein positive Bilanz. Einziger Wehmutstropfen: Anders als in den USA sei es nicht gelungen, Politiker als Redner zu gewinnen. Edel stellt nüchtern fest: „Es fehlen uns die Parlamentarier, die das Leben achten. Das ist eine Tatsache, besonders seit der Wahl von Emmanuel Macron. Die Abgeordneten sind uns gegenüber eher feindlich, oder gar sehr feindlich eingestellt.“

An Hoffnungszeichen mangelt es aber laut Edel nicht: „Dieses Jahr waren 80 Prozent der Teilnehmer unter 30 oder gar unter 25 Jahre alt. Das ist ein enormer Ansporn für die Zukunft. Diese Jungen sind sehr motiviert und entschlossen, und akzeptieren beim Lebensrecht keinerlei Kompromisse.“