Pascal Bruckner: Weg vom Vorwurf der „Islamophobie“

Das klare Votum im Kanton St. Gallen gegen jede weitere Duldung des islamischen Verhüllungszwanges für Frauen ist ein klares Zeichen für erfreulichen Gesinnungswandel. Lange wurde gebilligt, was teils sogar unter dem Beifall gewisser Feministinnen praktiziert wurde, die sich unter der Burka so „ganz als Frauen fühlten, weil ihnen kein Mann etwas wegschauen konnte.“ Dies geht sichtlich seinem Ende entgegen, nicht nur in St. Gallen und der ganzen Schweiz. Wie auch der immer wieder vorgebrachte Vorwurf der Islamophobie.

Von Heinz Gstrein

Der ebenso wie andere „-phobien“ künstlich geschaffene Vorwurf der „Islamophobie“ wird heute europaweit von den besten Denkern unseres Erdteils hinterfragt und als Trug entlarvt. Dabei tun sich Soziologen, Politologen und Philosophen hervor, die anfänglich selbst von „1968“ geprägt waren. An ihrer Spitze der französische Autor Pascal Bruckner. Er hatte schon 1979 in seinem Buch „Die neue Liebesunordnung“ aufgedeckt, dass die „sexuelle Befreiung“ der Generation von 68 zu neuer Tyrannei führt. Waren früher Aussenseiter von der naturbedingten Sexualität diskriminiert, so werden nun Verteidiger alles Normalen als „homophob“ gebrandmarkt und sogar von öffentlichen Gerichten abgeurteilt. 1997 bezeichnete es Bruckner als eine der wichtigsten Entdeckungen unserer Generation, dass „auch eine befreite Sexualität repressiv“ werden kann.

Später wandte sich Pascal Bruckner der Durchleuchtung des so vielgepriesenen „Multikulturalismus“ zu. Dieser räume den in Europa zugezogenen Muslimen eine Sonderrolle ein, die unsere Werte und Traditionen schwächt. Das multikulturelle Konzept erschwert es auch jeder Muslima und jedem Muslim, sich von der eigenen Parallelgesellschaft loszusagen und frei zu leben.

In seinem neuesten Werk „Ein imaginärer Rassismus – Der Streit um die Islamophobie“ ist Bruckner der ungerechtfertigten Verknüpfung von Religionskritik und rassistischer Verunglimpfung oder gar Verfolgung auf der Spur. Beim Islam handelt es sich genauso wenig wie bei den Lobbys der Homosexualität um eine Rasse, die Schutz vor jedem Rassismus verdiente. Die meisten der heutigen „Verhetzungs“paragraphen und -verurteilungen beruhen auf diesem Trugschluss.

Bei einer Diskussion mit der österreichischen Aussenministerin Karin Kneissl in Wien kritisierte nun Pascal Bruckner den missbräuchlichen Begriff „Islamophobie“ als Werkzeug gegen jede Islamkritik, forderte die Akzeptanz westlicher Werte als Voraussetzung für Integration und warnte vor dem Einfluss des politischen Islam auf das Zusammenleben. Für ihn verhindere der Vorwurf der Islamophobie jede berechtigte Kritik an der Religion und mache eine Reform des Islam durch gemässigte Muslime beinahe unmöglich. Er betonte: „Viele Flüchtlinge und Zuwander/innen bleiben zu stark in Tradition, Kultur und Art der Religionsausübung ihrer Herkunftsländer verhaftet. Sie sind oft geradezu Gefangene ihrer Herkunftskultur.“ Bruckner fordert von ihnen eine stärkere Emanzipation: „Damit ein friedliches Zusammenleben in einer von vielen Religionen geprägten Gesellschaft gelingen kann, müssen Flüchtlinge aktiv auf die Mehrheitsgesellschaft zugehen, statt sich in ihrer Kultur und Religion abzuschotten“, so der Philosoph. Denn diese Abschottung würde in jedem Fall extremistischen und fundamentalistischen Strömungen des Islam Vorschub leisten – etwas, vor dem gemässigte Muslimkräfte bereits seit Langem warnen: „In unserer westlichen Gesellschaft dürfen wir nicht zulassen, dass ein fundamentalistischer Islam der Islam der Mehrheit der Muslim/innen wird“.

Lesen Sie dazu auch den NZZ-Artikel von Pascal Bruckner: Imaginärer Rassismus

2018-10-26T18:06:25+00:00 09.10.2018|