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Werte und Gesellschaft

 
 
 

30.04.2016

Weiterhin hoher Lebensstandard in der Schweiz


Die Schweiz war 2014 eines der Länder mit dem höchsten Lebensstandard in Europa. Dies schliesst wirtschaftliche Schwierigkeiten nicht aus: So waren 6,6 Prozent der Bevölkerung oder rund 530'000 Personen von Einkommensarmut betroffen. Fast jede zehnte Person verfügte nicht über die Mittel, eine Woche Ferien weg von zu Hause zu finanzieren. Dies geht aus der Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC) des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor, welche Ende April 2016 bekannt gegeben wurden.

Zusammen mit denjenigen von Norwegen und Luxemburg gehörte der allgemeine Lebensstandard in der Schweiz auch 2014 zu den höchsten Europas. Trotz des hohen Preisniveaus hierzulande war die finanzielle Situation der Bevölkerung nach Abzug der obligatorischen Ausgaben besser als jene der Mehrheit der Nachbarländer und der Länder der Europäischen Union. Die durchschnittliche Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation war die höchste in Europa.

2014 lag die Einkommensungleichheit, gemessen am Verhältnis des gesamten Einkommens der reichsten 20 Prozent zu jenem der ärmsten 20 Prozent (S80/S20), in der Schweiz unter dem europäischen Durchschnitt: Die Summe der Einkommen der reichsten 20 Prozent war 4,4-mal so hoch wie jene der ärmsten 20 Prozent. Im europäischen Durchschnitt betrug dieser Wert 5,2. Die ausgeprägtesten Ungleichheiten der Einkommensverteilung wiesen Serbien (9,8), die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (7,2), Rumänien (7,2) und Spanien (6,8) auf. Am geringsten war der Unterschied zwischen den Reichsten und den Ärmsten in Island (3,1) und Norwegen (3,4).

Im Jahr 2014 waren in der Schweiz 4,6 Prozent der Bevölkerung von materieller Entbehrung betroffen, was bedeutet, dass dieser Teil der Bevölkerung aufgrund mangelnder finanzieller Ressourcen mit deutlich erschwerten Lebensbedingungen konfrontiert war. Dieser Wert gehört weiterhin zu den niedrigsten Europas (EU: 18,6 Prozent). In der Schweiz standen die häufigsten materiellen Entbehrungen in Zusammenhang mit finanziellen Schwierigkeiten. So waren beispielsweise 21,6 Prozent nicht in der Lage, innerhalb eines Monats eine unerwartete Ausgabe von 2’500 Franken zu tätigen.

9,7 Prozent der Bevölkerung (EU-Durchschnitt: 36,9 Prozent) hatten zudem nicht die Mittel, eine Woche pro Jahr Ferien weg von zu Hause zu finanzieren. Bei Personen in Einelternfamilien betrug dieser Anteil 22,6 Prozent. 1,7 Prozent der Personen waren nicht in der Lage, sich jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit (Fleisch, Fisch oder vegetarische Entsprechung) zu leisten. Auch dieser Wert ist im europäischen Vergleich tief (EU: 9,5 Prozent).

Im Jahr 2014 waren 6,6 Prozent der Bevölkerung oder rund 530'000 Personen von Einkommensarmut gemäss den Richtlinien der Sozialhilfe betroffen. Darunter waren 123'000 Erwerbstätige (Armutsquote von 3,3 Prozent). Zu den am stärksten armutsgefährdeten sozialen Gruppen gehörten Personen in Einelternfamilien (14,1 Prozent), Nichterwerbstätige (13,1 Prozent) und Personen ohne nachobligatorische Ausbildung (12,6 Prozent).

Personen ab 65 Jahren wiesen ebenfalls eine überdurchschnittlich hohe Armutsquote auf (13,6 Prozent), insbesondere, wenn sie alleine lebten (22,7 Prozent). Dabei gilt es zu beachten, dass hier nur die Einkommensarmut ohne allfällige Vermögensbestände betrachtet wird. Gerade Personen ab 65 Jahren greifen häufiger auf ihr Vermögen zurück, um die laufenden Ausgaben zu bestreiten.

Ausführlichere Informationen zu Armut und Entbehrungen sind in der Publikation „Armut und materielle Entbehrung, Ergebnisse 2007 bis 2014“ zu finden.