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Islam

 
 
 

15.11.2012

Ägypten: Vermehrte Entführung und Zwangsislamisierung koptischer Mädchen

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, sorgt in der ägyptischen Hafenstadt Marsa Matruh der Fall der entführten 14-jährigen Koptin Sarah Ishaq Abdul Malek für Aufruhr. Das Mädchen wurde am 30. September zum letzten Mal gesehen und hat nach Angaben der radikalislamischen „Salafistischen Front“ aus freien Stücken einen Muslim geheiratet. Die IGFM kritisiert, dass dem Fall von den ägyptischen Behörden zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, obwohl Sarah Ishaq auch nach ägyptischem Recht noch nicht heiratsfähig ist.

Der IGFM liegt eine Geburtsurkunde vor, die belegt, dass das Mädchen minderjährig ist und erst am 1. August 1998 geboren wurde. In der vergangenen Woche setzten sich zahlreiche ägyptische NGOs sowie der Nationale Frauenrat (NCW) für eine genauere Untersuchung des Falls und eine Rückführung des Mädchens zu seiner Familie ein.

Wie die IGFM erläutert, wurde Sarah Ishaq am 30. Oktober 2012 vor ihrem Schulgebäude zum letzten Mal gesehen. Nachdem ihr Vater der örtlichen Polizei Bericht erstattet hatte, bekam er einen anonymen Anruf, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er seine Tochter niemals wieder sehen würde. Die Familie erhielt daraufhin Informationen, dass ihre Tochter angeblich einen 27-jährigen Muslim mit dem Namen Mahmoud Abu Zied Abdel Gawwad geheiratet hätte.

Die radikalislamische Organisation „Salafistische Front“, die erst kürzlich eine eigene Partei mit dem Namen al-Scha’ab („Das Volk“) gegründet hat, leugnet, dass Sarah Ishaq entführt wurde. “Das Mädchen ist zum Islam konvertiert und hat aus freiem Willen einen Muslim geheiratet. Wir lehnen daher alle Versuche von Menschenrechtsorganisationen, der Zivilgesellschaft und dem Nationalen Frauenrat ab, sie zu ihrer Familie zurückzuschicken“, behauptet Khalid al-Masri in einem offiziellen Statement der „Salafistischen Front“ am 29. Oktober.

Nach Angabe von Generalmajor Amin Azz al-Din, dem Sicherheitsdirektor der Provinz Matruh, hatte Sarah Ishaq Differenzen mit ihrer Familie, die Suche nach ihr werde selbstverständlich fortgesetzt. Nach Angabe der örtlichen Polizei sei Sarah überhaupt nicht entführt worden. „Diese Information ist falsch“, so Mahmoud Sayed, Beamter der örtlichen Polizei.

Die IGFM kritisiert das mangelnde Engagement der ägyptischen Behörden, den Fall aufzuklären. „Durch das nachlässige Handeln der Polizei- und Sicherheitskräfte wird der Fall verschleppt, obwohl die Gesetzeslage eindeutig ist“, so die in Frankfurt am Main ansässige Menschenrechtsgesellschaft. Seit dem Sturz Mubaraks erreichen die IGFM vermehrt Klagen bezüglich der Entführung und Zwangsislamisierung koptischer Mädchen. Die ägyptische NGO “Vereinigung für Opfer von Verschleppung und Entführung” registrierte im vergangenen Jahr 75 Fälle von Entführungen koptischer Minderjähriger.


Weitere Informationen zur Menschenrechtslage in Ägypten unter: