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Islam

 
 
 

08.04.2014

Neuer syrisch-orthodoxer Patriarch – europäischer Priester in Syrien ermordet

Trotz den Wirren im kriegsversehrten Syrien will der neue Patriarch Ignatius Aphrem II. Karim aus den USA nach Damaskus ziehen. Im Interview mit Open Doors erklärt Karim, dass sein Umzug nach Syrien den orthodoxen und auch den anderen Christen Mut machen soll, das Land nicht zu verlassen. Am gestrigen Montag, dem 7. April 2014, ist in Homs der niederländische Priester Frans van der Lugt ermordet worden.

Ein Scharfschütze erschoss den niederländischen Priester Frans van der Lugt (75). Der seit 1964 in Syrien lebende Geistliche wollte die Stadt nicht verlassen, solange noch Christen in den abgeriegelten Gebieten leben. Viele von ihnen sind ältere Menschen. Er hatte sich zudem in vielen Hilfsprojekten engagiert, unter anderem hatte er für geistig Behinderte das Landwirtschaftsprojekt „Al Ard“ („Die Erde“) gegründet. Van der Lugt wurde vom Vatikan als „Mann des Friedens“ bezeichnet.

Gegenüber Open Doors beschrieb der nun ermordete Priester die drastische Lage erst vor kurzem so: „Rund herum sind die meisten Häuser zerstört. Die Leute sind am Verhungern, sie streifen durch die Strassen auf der Suche nach Nahrung für ihre Kinder. Sie sind am Ende ihrer Kräfte, ihre Haut hat eine wächserne Farbe angenommen. Selbst die Rebellen bringen den Mut zum Kämpfen nicht mehr auf. Morgens essen wir Oliven und trinken Tee. Abends versuchen wir, mit dem Gras, das zwischen den Pflastersteinen wächst, eine Suppe zu kochen.“

Der bisher in den USA lebende, syrischer Erzbischof Ignatius Aphrem II. Karim (48) ist der neue Patriarch der syrisch-orthodoxen Kirche. Karim wird als Kirchenoberhaupt seinen Sitz in Damaskus haben. Er übernimmt eine „Herde“, die zuletzt immer kleiner wurden. Christen wurden zur Zielscheibe islamistischer Aufständischer, welche in ihnen Verbündete der Regierung sehen.

„Ich bete, dass die Verfolgung ein Ende hat und ich knüpfe diplomatische Kontakte, um dafür zu sorgen, dass wir vom Rest der Welt jede mögliche Hilfe bekommen“, betont der Patriarch im Gespräch mit Open Doors. „Ich glaube auch, dass mein Umzug nach Damaskus den syrisch-orthodoxen sowie auch den anderen Christen Hoffnung bringt, damit sie bereit sind, in unserer geliebten Heimat Syrien, die den Namen unserer Konfession trägt, zu bleiben.“ Zwar liebe er seine Gemeinde und die Mitglieder in Amerika, doch die Rückkehr in den Nahen Osten sei Gottes Wille. „Ich glaube, dass das syrisch-orthodoxe Patriarchat nie aus Damaskus verlegt werden sollte, das ist der richtige Ort; deshalb bin ich bereit, in mein Heimatland zurückzukehren, um meiner Kirche als ihr neuer Hirte zu dienen.“

Zwar ist die syrisch-orthodoxe Kirche klein, hat aber als eine der ältesten Kirchen der Welt eine tiefe symbolische Bedeutung. Geschätzte 800'000 der 3,5 Millionen Mitglieder leben in Syrien. Rund 100'000 syrisch-orthodoxe Christen haben in Deutschland eine neue Heimat gefunden und etwa 80'000 in den USA. Zwei Millionen gehören in Indien, dem autonomen „Katholikat von Indien“ an, besser bekannt unter dem Namen „Malankara Syrisch-Orthodoxen Kirche“.

Moran Mor Ignatius Aphrem II. Karim, wie er mit ganzem Namen heisst, war seit 1996 Metropolit und Patriarchalvikar der syrisch-orthodoxen Kirche im Osten der USA. Seinen Sitz hatte er in New Jersey. Am 31. März wurde er im Libanon in der Versammlung der Erzbischöfe der Kirche zum Nachfolger für den zehn Tage zuvor verstorbenen Patriarchen Zakka I. gewählt.

Karim kam 1965 in der nordsyrischen Stadt Qamischly zur Welt. Sein Vater starb kurz nach der Geburt seines Sohnes. Er studierte in Ägypten, später diente er als Mönch in Syrien und Irland. Er pflegte eine gute Beziehung zu seinem Vorgänger Zakka I. und zum koptischen Papst Shenuda III. Zu seinen Freunden gehört auch Youhanna Ibrahim, der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Aleppo, einem der drei vor rund einem Jahr verschleppten Bischöfe, über deren Verbleib noch immer nichts bekannt ist.

Open Doors ist ein christliches Hilfswerk, das in rund 50 Ländern Christen, die aufgrund ihres Glaubens benachteiligt oder verfolgt werden, mit Bibeln und christlicher Literatur versorgt, Gemeindeleiter ausbildet, sich für Gefangene engagiert und die Familien ermordeter Christen unterstützt, u.a. durch Nothilfe und Zufluchtszentren. Weltweit werden derzeit ca. 100 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt

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