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Islam

 
 
 

26.07.2014

Wahre Religionsfreiheit gab es unter keinem Kalifen

Von Heinz Gstrein

Aus dem Irak häufen sich die Schreckensmeldungen vom Wüten des „Islamischen Staates“ unter dem selbsternannten „Kalifen“ Abu Bakr al-Baghdadi gegen die letzten Christen unter seiner Herrschaft. Die meisten von ihnen hatten sich schon im Juni mit an die 600‘000 anderen Flüchtlingen über den Tigris nach Osten Richtung autonomes Kurdistan abgesetzt. Die wenigen Tausend Verbleibenden wurden jetzt vor die Wahl gestellt, entweder eine mittelalterliche Ghetto-Existenz in besonders gekennzeichneten „Nazarener“-Häusern und bei hoher Sonderbesteuerung zu akzeptieren oder aber Mossul und andere Städte zu verlassen.

Wirklich Religionsfreiheit hat es schon unter den arabischen und osmanischen Kalifen zwischen 632 und 1924 nie gegeben, nur eine eng beschränkte „Kultfreiheit“ für Christen und Juden. Aber nicht einmal davon will das neue Kalifat von Mossul jetzt etwas wissen. Vergleichbares gab es nur im afrikanischen Islam. Zunächst mit dem „Kalifat von Sokoto“ das 1804 von den Fulbe mit einem Heiligen Krieg (Djihad) gegen noch nicht oder vorgeblich falsch islamisierte Hausa-Völker begründet wurde. „Kalif“ Usman dan Fodio wurde so zum Begründer des modernen Dschihadismus und vertrat einen puritanischen Islam. Dieser richtete sich gegen die bis dahin in der Sahelzone vorherrschende Esoterik der Derwischorden und volkstümlicher Heiligengestalten (Marabut). Mit ihrem Puritanismus wurden die dann erst 1903 durch die Briten entmachteten Kalifen von Sokoto ebenso zu Vorläufern der nigerianischen Boko Haram. Ihren Kampf gegen alles nicht mit arabischen Buchstaben festgehaltene Schriftttum und Bildungswesen hatte schon der zweite westafrikanische Kalif Muhammad Bello vorweg genommen: Er liess die Chroniken der Hausakönige zerstören, die fast die einzigen von Afrikanern verfassten historischen Dokumente. Jetzt schlägt Boko-Haram-Anführer Abu Bakr Schekau die Brücke nach dem Irak. Er hat sich dem gleichnamigen Kalifen von Mossul, Abu Bakr al-Baghdadi, als brüderlicher Kampfgenosse angebiedert.

Eine zweite afrikanische Parallele zu, dem, was sich heute am oberen Euphrat und Tigris abspielt, gab es am oberen Nil im späten 19. Jahrhundert mit dem so genannten „Kalifat von Ondurman“. Dort hatten sich die Führer einer islamischen Endzeitbewegung, der „Mahdisten“, zu Kalifen erklärt. Dieser eschatologische Aspekt der Selbsterklärung zum „Mahdi“, dem globalen Vollender der islamischen Weltordnung vor dem Weltuntergang, fehlt zwar der jetzigen Kalifatsbewegung im Nahen Osten. Gemeinsam haben sie jedoch ein radikal-puritanisches Islamverständnis und die militärische Zielsetzung, ihre Herrschaft über das ganze Territorium der damaligen bzw. inzwischen einstigen osmanischen Kalifatsmacht auszudehnen. So reichen die Ambitionen des Mossuler Kalifen inzwischen weit über die von ihm anfänglich beanspruchte „Levante“ hinaus. Was auch in der Namensänderung seiner Bewegung vom „Islamischen Staat im Irak und der Levante“ (ISIS oder ISIL) zum global verstandenen „Islamischen Staat“ (IS) zum Ausdruck kommt. Seine ersten Landkarten reichen über den Balkan herauf bis weit in den deutschen Raum hinein, die Schweiz inbegriffen.

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Video zur ISIS/zum Wüten des Islamischen Staates auf Deutsch: