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Ehe und Familie

 
 
 

06.07.2015

Die Ehe ist und bleibt ohne Alternative

Dominik Lusser

David Rüetschi, Leiter des Bereichs Zivilrecht beim Bundesamt für Justiz beklagt in der Diskussion um die Reform des Familienrechts den „Verlust eines gesellschaftlichen Leitmodells, das der Gesetzgeber übernehmen und fördern kann“. Weiter kritisierte er an einer Tagung zu "Ehe und Partnerschaft zwischen Norm und Realität" am 23. Juni 2015 in Bern die „Fokussierung auf den ‚Unfall‘ statt auf das funktionierende System.“ Diesem drohe die Kohärenz und die Qualität verloren zu gehen. Bemerkenswert sind die Aussagen von Rüetschi deswegen, weil ein gesellschaftlich konsensfähiges Leitbild mit der Ehe nicht nur theoretisch existiert, sondern auch empirisch fassbar ist. Warum dies einfach ignoriert wird, kann nur ideologische Gründe haben.

Angestossen durch ein Postulat von SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr diskutiert die Schweiz seit über einem Jahr intensiv über die Modernisierung ihres Familienrechts. Parlamentarier und Bund überbieten sich mit teils widersprüchlichen Vorschlägen. Die auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau als gesellschaftlich dominierendes Leitmodell wird dabei teilweise vehement in Frage gestellt. Stattdessen orientieren sich die Protagonisten der Reform unter Berufung auf die familiäre „Vielfalt“ an Problemfällen und an widernatürlichen, das Kindeswohl schädigenden Wünschen kleiner Lobby-Gruppen.

Ein sinnvolles Leitmodell für die Reform ist aber nicht, wie Rüetschi behauptet, grundsätzlich verloren gegangen. Ein solches fehlt nur den politischen, sozialwissenschaftlichen und juristischen Eliten, welche eine Reform vorbei an der Lebenswirklichkeit und den Wünschen der Allgemeinheit anstreben. Das Volk aber orientiert sich immer noch – wie eh und je – an der auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, für den das von Medien und linken Politikern lauthals verschriene Institut der Ehe immer noch das beste rechtliche Gefäss darstellt. Laut einer neuen GFS-Umfrage bewerten nach wie vor 71 Prozent der Schweizer Bevölkerung sowohl die Partnerschaft auf Lebzeiten als auch die sexuelle Treue auf Lebenszeit als wichtig. Und praktisch gleich viele halten diese auch für möglich. Über 43 Prozent der Schweizer, die 1,5 Millionen Minderjährigen mitgerechnet, sind verheiratet. Wer sich scheiden lässt, heiratet in der Regel wieder. In internationalen Studien ist zudem mehrfach belegt worden, dass die verbindliche Lebensgemeinschaft von Mann und Frau die relativ grösste Lebenszufriedenheit, sexuelle Zufriedenheit und Chance auf Treue beinhaltet. Dies ist wohl auch der Grund, warum in der Schweiz 80 Prozent der Kinder in einer Ehe geboren werden.

Mit Blick auf die Schweizer Bevölkerung gibt es also keinen Grund vom Verlust eines Leitmodells zu sprechen, das der Gesetzgeber übernehmen und fördern kann. Das von linken und ultraliberalen Reformisten vorangestellte Leitmodell der „Vielfalt der Familienformen“ täuscht hingegen Vielfalt vor, wo tatsächlich etwas schiefgegangen ist. Mit Blick auf eine alleinerziehende Mutter von familiärer Vielfalt zu sprechen ist blanker Zynismus, haben hier doch – was weder geplant noch gewünscht war – eine Frau ihren Mann und Kinder ihren Vater verloren. Was hier als tragischer Verlust betrauert werden kann, wird im Konstrukt der Regenbogen-"Familie" zum Prinzip erhoben; um den Preis, dass "Eltern" ihre Kinder um ihre natürliche Herkunft und um ideale Entfaltungsbedingungen betrügen. Die von den Medien verbreitete Ideologie der "Vielfalt" ist also nichts anderes als eine exzessive Fokussierung auf den "Umfall" mit dem Ziel, einen gesellschaftlichen Wandel vorzutäuschen, der so – wenigstens im behaupteten Ausmass – gar nicht stattfindet.

Lesen Sie das Referat von David Rüetschi unter: