Frauenhandel: Folgenschwerer Personalmangel bei Luzerner Polizei?

Die SP Kanton Luzern hat ein Dringliches Postulat über eine sofortige Aufstockung bei der Kriminalpolizei eingereicht, berichtete das Nachrichtenportal Zentralplus.ch am 4. Oktober 2017.

„Aus Fachkreisen und aus anderen Kantonen sei zu vernehmen, dass die Luzerner Polizei mangels Ressourcen ihre Tätigkeiten im Bereich Menschen- und Frauenhandel in den letzten zwei Jahren sukzessive abgebaut und seit über einem Jahr keine Kontrollen und Ermittlungen mehr im Sexmilieu durchführen,“ zitiert Zentralplus.ch aus einer Mitteilung der SP Luzern.

Die Zahlen sprechen für diesen Ermittlungsstopp: Während 2014 noch 12 neue Fälle von Menschenhandel bekannt wurden, waren es 2015 noch sieben und 2017 bisher (bis Ende August) nur noch einer. Die SP deutet das so: „Wo keine Ermittlungen durchgeführt werden, können auch keine Opfer identifiziert und Straftaten bekämpft werden.“

Die Partei fordert darum den Regierungsrat dazu auf, die Stellen bei der Kriminalpolizei im Bereich Sexualdelikte per sofort um mindestens 200 Prozent aufzustocken und die Ermittlungen im Bereich Menschenhandel wiederaufzunehmen. Eine Aufstockung um zwei Stellen im Bereich Sexualdelikte entspräche den geforderten Stellen aus dem Planungsbericht über die Ressourcen bei der Luzerner Polizei aus dem Jahr 2014.

Doch bei dieser Entwicklung geht es nicht nur um mangelndes Personal. Der Kantonspolizei Luzern wurde vor geraumer Zeit verboten, Kontrollen im Rotlichtmilieu zu machen, schreibt Act 212 im aktuellen Newsletter: „Für eine Kontrolle in einem Bordell müssen sie die Bewilligung der Staatsanwaltschaft einholen“, gibt das Beratungs- und Schulungszentrum Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung Act212 zu bedenken. Auch das dürfte die Ermittlungen der Polizei erheblich erschweren.

Die Schweiz hat 2012 das Übereinkommen des Europarats zur Bekämpfung des Menschenhandels ratifiziert. Für die Ermittlung und Verfolgung von Menschenhandel sind die Kantone zuständig.