„Falschsexuelle“ im Klassenzimmer

LGBT-Lobbygruppen erhalten Zugang zu immer mehr Deutschschweizer Schulklassen. Zu meinen, es gehe dabei nur um die angebrachte Toleranz gegenüber Angehörigen sexueller Minderheiten, irrt. Die Entnormalisierung von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität ist längst zum Mainstream der staatlich geförderten Sexualpädagogik geworden.

Von Dominik Lusser

Für Uwe Sielert, Europas wohl einflussreichsten Sexualpädagogen, bedeutet Gender Mainstreaming „nicht nur die Infragestellung der bipolaren Geschlechterordnung, sondern ebenso die Bipolarität von Homo- und Heterosexualität sowie das Eintreten für vielfältige Elternschaft und eine Pluralisierung der Lebensweisen und Familienformen.“

Das hat mit einer ganzheitlichen Sexualpädagogik, die Jugendlichen helfen soll, alle Facetten ihrer Sexualität in ihre Persönlichkeit und langfristigen Lebensziele zu integrieren, natürlich gar nichts mehr zu tun. Das ist Queer-Aktivismus in Reinkultur, der es auf die Fundamente unseres familiären Zusammenlebens abgesehen hat. Auch die Schweizer Jugendorganisation „Milchjugend – Falschsexuelle Welten“ wirbt in ihrem Magazin „Milchbüechli“ offen für das gesellschaftssubversive Potential alternativer Sexualitäten: In Anlehnung an die Queer-Feministin Beatriz Preciado fordert die Gruppierung beispielsweise, nicht mehr den Penis als das Original und den Dildo als Kopie zu sehen, sondern den Dildo als Ursprung, der in unterschiedlichsten Varianten existiert. Das Gegenstück zum Dildo sei der Anus, der ins Zentrum der Lust gerückt werden solle, da im Gegensatz zur Vagina jeder Mensch einen besitze. Mit dem angestrebten Ziel einer „kontrasexuellen Gesellschaft“ wird das Ende des heterosexuellen Systems der Geschlechter angestrebt.

Schwul-lesbische Indoktrination

Doch was haben diese abstrusen Theorien mit der sexualpädagogischen Praxis an Schweizer Schulen zu tun? Jede Menge. Die „Milchbüechli“-Aktivisten sind ein offizieller Partner von „Sexuelle Gesundheit Schweiz“, jener Dachorganisation, welche die staatlich geförderte Sexualpädagogik quasi nach Belieben dominiert. Zudem arbeiten die „Milchbüechli“-Aktivisten auch beim Schulprojekt „GLL“ (Gleichgeschlechtliche Liebe leben) mit. Dieses brüstet sich damit, im Jahr 2016 durch Schulbesuche in der Nordwest- und Zentralschweiz sowie in Zürich – teilweise durch die Kantone subventioniert – 1’900 Primar und Sekundarschüler über schwul-lesbische Lebensweisen aufgeklärt zu haben. Das ist eine Steigerung der Reichweite um 90 Prozent gegenüber 2011, als erst 1’000 Schüler erreicht wurden. Dabei ist „GLL“ erst im Jahr 2000 gegründet worden. Eine Erfolgsgeschichte sondergleichen.

Neben „GLL“ boomen mit „ABQ“ (Kanton Bern) und „Comout“ (Kantone St.Gallen und Appenzell) noch zwei weitere schwul-lesbische Schulprojekte in der Schweiz. „Comout“ beispielsweise steigerte seine Reichweite von 977 Schülern im Jahr 2015 auf 1’488 im Jahr 2016. Zu meinen, es gehe bei solchen Klassenbesuchen nur um die angebrachte Toleranz gegenüber Angehörigen sexueller Minderheiten, irrt. Es ist davon auszugehen, dass hinter verschlossen Schulzimmertüren zwar subtile, aber radikale Gender-Indoktrination betrieben wird: Schüler haben das, was Schwule und Lesben leben, als gut und gleichwertig mit dem Lebensstil ihrer eigenen Eltern zu akzeptieren! Dies jedenfalls legt die Sichtung des sexualpädagogischen Materials nahe, mit denen diese Gruppierungen arbeiten; aber auch die wenigen direkten Einblicke, welche die LGBT-Aktivisten selbst zulassen.

„Milchbüechli“-Redaktorin Laura Eigenmann erklärt bei ihren Klassenbesuchen Jugendlichen ausführlich und detailliert, wie Lesben Sex haben, wie man sich im Bett beschäftigt, „wenn da kein Penis“ ist. „Mir macht es jeweils Spass, die Antwort besonders praxisnah und bildlich zu gestalten: Ich erzähle von der Virtuosität von Fingern, Händen, Zungen, …“ usw. Eigenmanns Bericht, aus dem ich nicht weiter zitieren möchte, enthält hochgradig schamverletzende, pornografische Schilderungen, die in keinem Volksschul-Klassenzimmer etwas zu suchen haben.

Weitere Einblicke in die queere Welt dieser Schulprojekte bieten auch die Unterrichtshilfen, welche die „Fachstelle für Aids- und Sexualfragen St. Gallen Appenzell (AHSGA)“ für die 4.-6. Klasse zusammengestellt hat. Die Fachstelle ist für das Schulprojekt „Comout“ verantwortlich: Beim Thema „Lebensformen“ geht es darum, dass Kinder lernen, dass keine Lebensform besser ist als die andere. Dazu wird die Übung „Wer lebt in der Bergstrasse 33“ aus dem Lehrmittel „Ganz normal anders – lesbisch, schwul, bi“ von Martin Ganguly vorgeschlagen. Grundschüler sollen sich dort in die unterschiedlichen Lebenswelten der Bewohner hineinversetzen und verschiedene Wohnkombinationen erproben. Kindern zuzumuten, sich in homosexuelle Lebenswelten hineinzuversetzen und diese auch noch gut finden zu müssen, verstösst gegen das schulische Indoktrinationsverbot. Auch gehen solche Unterrichtsmethoden und -ziele weit über den Lehrplan 21 hinaus, dem gemäss Schüler lernen sollen, „sexuelle Orientierung nichtdiskriminierend zu benennen“.

In einem Quellentext zum Thema: „Wenn Männer mit Männern und Frauen mit Frauen zusammenwohnen“ (CD-Rom: „beziehungs-weise“, AHSGA 2012) wird das radikale Programm noch sehr viel deutlicher: Der häufigere Partnerwechsel bei Schwulen werde von vielen Heterosexuellen als Kränkung erlebt, als Angriff auf sie selbst oder das Ideal der bürgerlichen Ehe. „Der Entwertung der Schwulen zugeschriebenen promisken Lebensform liegen Verunsicherung, Angst und vielleicht sogar Neid ob der freieren Lebensform zugrunde.“ Das zielt auf die Pathologisierung von Ehe und Monogamie, wie es von einflussreichen Queer-Theoretikern auch schon vorgeschlagen worden ist. So fragt der BDSM-Forscher bzw. -Aktivist Robin Baur im Sexualpädagogik-Klassiker „Sexualpädagogik weiter denken“ (Sielert et al. (Hg.) 2004), warum eigentlich nicht mit einem „Perversionsbegriff zur Kernfamilie“ gearbeitet werde. Im gleichen Sammelband beklagt sich Sielert-Zögling Stefan Timmermanns, Menschen würden noch immer „in die Richtung einer hegemonialen Moral“, d.h. „entsprechend dem modernen Anspruch einer ‚romantischen Liebe‘, der Monogamie und Zweierbeziehung“ sozialisiert und rängen entsprechend „mit den ihnen verordneten Kategorien: Hetero oder Homo? Mann oder Frau?“. Das Thema Sexualität sei darum „im dekonstruktivistischen Diskurs weder als machtpolitische noch als ethisch-pädagogische bereits erledigt.

Queer-Mainstreaming

Die Propaganda für schwul-lesbische Lebensweisen sowie die radikale Infragestellung der natürlichen Familie beschränken sich also nicht auf wenige Organisationen aus dem LGBT-Spektrum. In einer St.Galler Handreichung zur Sexualpädagogik, die 2016 erneut aufgelegt wurde, heisst es: „Geht es (…) um die sexuellen Verhältnisse zwischen den Geschlechtern, muss man sich auch die Frage stellen, ob wir nicht nur als ‚Frauen‘ oder als ‚Männer‘ diskriminiert werden, sondern auch dadurch, dass wir Frauen oder Männer zu sein haben.“ Sexualpädagogik soll also dazu dienen, die von fast allen gelebte Normalität in Frage zu stellen: „In einer Zeit der sexuellen Vielfalt ist auch die klare Zuordnung in Bezug auf Homosexualität und Heterosexualität immer weniger selbstverständlich. Die Einteilung wird fliessender, gestandene Mütter werden zu Lesben und schwule Männer verlieben sich in Frauen. Diese Vielfalt wird sich auch auf die Sexualpädagogik auswirken.“

Auch SGS setzt alles daran, den Einfluss der gesellschaftszersetzenden Gender-Ideologie auf die Sexualpädagogik auszuweiten. Dies zeigt das neueste Bulletin der „Allianz Sexualaufklärung“, einem Zusammenschluss von mehr als 60 Organisationen, die sich unter der Führung von SGS für eine emanzipatorisch-genderistische Sexualpädagogik stark macht. Selbst die „Milchjugend“ gehört zur Allianz, was zeigt, mit welch fragwürdigen Gruppierungen der angesehene Dachverband SGS gemeinsame Sache macht.

Seit die Gender Studies die neue Leitwissenschaft der Sexualpädagogik sind, gehören die Dekonstruktion von Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität zum Mainstream der staatlich geförderten Sexualpädagogik. So bemängelt das Allianz-Bulletin, dass Sexualaufklärung in Schule und Familie nach wie vor sehr heteronormiert wäre. Dem soll entgegengewirkt werden. Sexualaufklärung fördere das Recht auf Selbstbestimmung und gesetzliche Anerkennung von Personen, die zur Gruppe der sogenannten LGBTIQ gehörten: „Sie tut dies auf der individuellen Ebene (…), aber auch auf der kollektiven Ebene, indem sie zu einem gesellschaftlichen Wandel im Bereich der Werte und Rechte beiträgt.“

Fragwürdiger Ethikkodex

SGS stellt die schulische Sexualaufklärung also explizit in den Dienst umstrittener gesellschaftspolitischer Ziele. Zu diesem Kulturkampf sind übrigens alle von SGS zertifizierten Sexualpädagogen durch einen Ethikkodex verpflichtet: „Berufliches Handeln schliesst das Engagement für gesellschaftliche und politische Entwicklungen gemäss den Punkten 1-8 in diesem Ethikkodex ein.“ In Punkt 3 heisst es dann: „Um sexuelle Gesundheit zu erhalten, müssen die sexuellen Rechte aller Menschen respektiert, geschützt und durchgesetzt werden.“ SGS aber unterstützt die „Ehe für alle“ mit ausdrücklichem Bezug auf die von ihr propagierten sexuellen „Rechte“. Bedeutet das aber letztlich nicht, dass man in der Schweiz eigentlich selbst LGBT-Aktivist sein muss, um überhaupt als Sexualpädagoge arbeiten zu dürfen?

SGS verfolgt als Ziel nicht bloss die angebrachte Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten, sondern die absolute Gleichwertigkeit aller möglichen Ausdrucksformen menschlicher Sexualität. Dies wird auf eine Weise pädagogisch durchgesetzt, die alle anderen Werturteile als vermeintliche Diskriminierung ausschliesst. In der Antidiskriminierungs-Broschüre „Gleiches Recht für jede Liebe“, auf die das Bulletin verweist, heisst es in indoktrinärem Tonfall unmissverständlich: „Jede Liebe ist gut und richtig, wenn sie beiden Partnern gut tut! Es ist nichts Falsches oder Unnatürliches dabei!“ Der Druck auf Schüler, gleichgeschlechtliche Sexualität als wertvoll und gleichwertig mit der Heterosexualität zu akzeptieren, ist in den Materialien von SGS und ihren Partnerorganisationen omnipräsent.

Dabei ist es beispielsweise offenkundig, dass gleichgeschlechtliche Paare mit ihrem Sex prinzipiell unfruchtbar sind, worunter nicht wenige von ihnen auch leiden. Gelebte Bisexualität ihrerseits ist unvereinbar mit treuer, monogamer Partnerschaft und somit ein erheblicher Risikofaktor für stabile familiäre Verhältnisse. Doch solche Aspekte werden aus Gründen falscher Toleranz bzw. einer programmatischen Gleichmacherei einfach marginalisiert. Im weit verbreiteten Primarklassenlehrmittel „Kaleidoskop“ heisst es dann: „Und was ist, wenn ein Mann einen Mann, eine Frau eine Frau liebt? Dann ist das nicht weniger schön und beglückend als die Liebe zwischen Mann und Frau. (…) Die sexuellen Gefühle sind bei Homosexuellen genauso lustvoll wie bei Heterosexuellen.“ Ginge es nur um Lust, wäre hier kaum etwas einzuwenden. Doch da liegt genau das Problem.

Die überaus komplexe menschliche Sexualität, die das generationenübergreifende Gefüge menschlicher Gemeinschaft trägt, wird so aus ideologischen Gründen wesentlicher Teile ihres Sinngehalts beraubt; so, dass am Ende als gemeinsamer Nenner all der sexuellen Ausdrucksformen, die angeblich alle gleichwertig sein sollen, tatsächlich nur noch die sexuelle Lust übrigbleibt! Schüler werden so zu Opfern einer ideologisch motivierten Desinformation: „Homosexualität ist in ihrer Essenz nichts anderes als Heterosexualität“, behauptet etwa die lesbisch fühlende Manu Koch. Dies Teenagern aufzuzeigen sei ihr Ziel, wenn sie im Rahmen von „ABQ“ Berner Schulklassen besuche.

Die Gender-Desinformation wird auch in der Begriffsdefinition deutlich, die das Allianz-Bulletin von der Geschlechtsidentität gibt: Diese meint „die im Innern tief empfundene und individuelle Erfahrung seines Geschlechts, unabhängig davon, ob dieses dem bei der Geburt zugewiesenen biologischen Geschlecht entspricht, einschliesslich des persönlichen Körperbewusstseins (…).“ Die Geschlechtsidentität wird hier vollständig abgekoppelt vom biologischen Geschlecht und seiner leiblichen Dimension. Die tragische Ausnahme der Transsexualität wird kurzerhand zum Wesensmerkmal geschlechtlicher Identität erklärt.

Der radikalen Gender-Ideologie folgend, wird die natürliche Kohärenz von biologischem Geschlecht (sex), gefühlter Geschlechtsidentität (gender) und sexuellem Begehren (desire) systematisch verneint. Um angeblich kleinste Minderheiten nicht zu diskriminieren, soll das stimmige Empfinden und die offensichtlich sinnvolle Lebensweise der grossen Mehrheit (ein biologischer Mann fühlt sich als Mann und fühlt sich sexuell von Frauen angezogen; Analoges gilt für die Frau) als gesellschaftliche Norm radikal in Frage gestellt werden.

Tabu Homosexualität

Was aber kommen könnte, wenn Sexualität und Geschlecht zunehmend in den Sog genderistischer Dekonstruktion geraten, zeigen immer wieder erschütternde Umfragen unter gleichgeschlechtlich orientierten Menschen: Laut einer Umfrage der Uni Zürich (2002) unter 600 homosexuell lebenden Männern können nur 30 Prozent von ihnen ihre sexuelle Orientierung akzeptieren. Nur 40 Prozent der Antwortenden lebten zur Zeit der Befragung in einer Beziehung (Gesamtbevölkerung: 75 Prozent), wobei sich über 90 Prozent der Befragten eine Dauerbeziehung wünschten. 63 Prozent gaben an, unter Einsamkeit zu leiden (Gesamtbevölkerung: 37 Prozent).

Soll man den Gender-Pädagogen Glauben schenken, so ist an diesen dramatischen Zuständen allein das angeblich diskriminierende Umfeld schuld. Diese ideologisch gefilterte Ursachen-Analyse unterschlägt aber ganz wesentliche Zusammenhänge, in die menschliche Sexualität naturgemäss eingebettet ist: „Die leiblichen Unterschiede zwischen Mann und Frau mit der Komplementarität ihrer Geschlechtsorgane und die biologisch angelegten, psychologischen Unterschiede und Identitäten der Geschlechter bilden jenen natürlichen Hintergrund, auf dem sich erotische Spannung und sexuelle Hingabe ebenso wie praktische Ergänzung und Gemeinschaft im Alltag zwischen einem Paar von der Jugend bis ins Alter halten und verwirklichen können.“ Das Fehlen dieses natürlichen Spannungshintergrundes könnte hingegen laut dem Psychiater Christian Spaemann „der Grund dafür sein, dass sich bei homosexuell empfindenden Menschen die sexuelle Anziehung zwischen den Partnern meist rasch erschöpft und die Treue, wo sie gelebt werden will, häufig nur als soziale Treue verstanden wird, welche die sexuelle Treue nicht einschliesst.“ All dies deutet darauf hin, dass bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften die Voraussetzungen für eine dauerhafte und zufriedenstellende Lebensgemeinschaft entscheidend schlechter sind als bei heterosexuell orientierten monogamen Paarbeziehungen.

Schüler und Lehrer, die so denken, geraten allerdings zunehmend unter den absurden Verdacht, eine diskriminierende Haltung zu vertreten. Dem entsprechend gilt als „Homophobie“ laut dem Allianz-Bulletin nicht mehr nur Hass, Gewalt und Ablehnung gegenüber Personen, die homosexuell empfinden, sondern auch schon jedes „Unbehagen“ gegenüber der Homosexualität. Werden solche Definitionen zum Massstab schulischer Toleranz-Erziehung gemacht, wird die Grenze zur Gehirnwäsche überschritten.

„Normal ist Bi“

Im Zuge dieser medial und politisch geschürten „Homophobie“-Hysterie wird in sexualpädagogischen Materialien gleichgeschlechtlicher Sex zunehmend nicht mehr als Phänomen einer kleinen sexuellen Minderheit behandelt, sondern als valable Option, die jedem offensteht. Die Homosexualisierung der Sexualpädagogik schreitet scheinbar unaufhaltsam voran.

Die Online-Beratung „Hilfe 147“ der Pro Juventute, die ebenfalls zu „Allianz Sexualaufklärung“ gehört, antwortet auf die Frage, ob sexuelle Erfahrungen mit beiden Geschlechtern normal seien: „Sexuelle Experimente in der Pubertät sind keine Seltenheit und sie sind in allen erdenklichen geschlechtlichen Kombinationen möglich. Zum Beispiel, weil ein geeigneter Partner vom anderen Geschlecht fehlt. Oder weil man sich eher traut, mit seiner besten Freundin bzw. seinem besten Freund Sex auszuprobieren, als jemanden zu fragen, den man nicht oder weniger gut kennt. Und manche Jugendliche haben zum Beispiel gar keine andere Möglichkeit, als gleichgeschlechtliche Erfahrungen zu sammeln, weil in ihrer Kultur Beziehungen und Sex vor der Ehe verboten sind.“

Die pädagogisch und medial immer häufiger verbreitete Botschaft, jeder Mensch habe im Grunde ein bisexuelles Potential, das erst durch die Sozialisation eingeschränkt werde, zeigt auch bereits seine Auswirkungen. So belegen Zahlen aus Deutschland eine zunehmende Erotisierung von Mädchenfreundschaften: Charakterisierten sich 1990 noch 73% aller Teenagerinnen zwischen 13 und 18 Jahren ausschliesslich heterosexuell, so waren es 2013 nur mehr 58%. Dieser Wandel im Fühlen wird auch stärker in die Tat umgesetzt: Hatten in 1990 lediglich 7% der jungen Frauen homosexuelle Pettingerfahrungen, waren es 2013 bereits 24%.

Doch welchen Einfluss hat die Suggestion „Normal ist Bi“ auf Heranwachsende mitten in der pubertären Phase der hormonellen Veränderungen, Verunsicherung, Normorientierung und sexuellen Identitätsfindung? Die Psychologin Tabea Freitag warnt in ihrem preisausgezeichneten Lehrmittel „Fit for love?“ (2015): „Das entstehende emotionale und Beziehungschaos gleichzeitiger oder wechselnder Verliebtheit in beide Geschlechter dürfte die Bewältigung dieser ohnehin schon herausfordernden Entwicklungsphase nicht gerade erleichtern.“ Freitag zufolge wird hier die Genderideologie auf Kosten der Gesundheit Jugendlicher propagiert: „Fördert es die Gesundheit und einen Sinn von Kohärenz, wenn man Heranwachsenden vermittelt, ihr biologisches Geschlecht sei letztlich unbedeutend bzw. gehöre zur ‚Ideologie‘ und zum ‚Zwang der Zweigeschlechtlichkeit‘, die es zu überwinden gilt?“

Dies führt uns zum besorgniserregenden Fazit: Die Organisationen, welche die Sexualpädagogik in der Schweiz dominieren, sind allesamt Verfechter der Gender-Ideologie, die bestrebt sind, Schüler in diesem Sinn zu beeinflussen. Queer-Gruppierungen wie die „Milchjugend“ sind dabei nur besonders laute Speerspitzen eines staatlich geförderten Mainstreams. Dieser wird international u.a. durch die „International Planned Parenthood Federation (IPPF)“ vorangetrieben, zu deren akkreditierten Mitgliedern auch SGS zählt. Weitsichtige Fachleute schlagen ob dieser Entwicklung Alarm. Jakob Pastötter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, stellt fest: „Weltweit wird verstärkt politisch Druck gemacht, eine überall wahrgenommene, ‚diskriminierende Heteronormativität‘ durch eine ‚Sexualpädagogik der Vielfalt‘ zu bekämpfen und das individuelle Lustprinzip zur allgemeinen Basis der Sexualpädagogik zu machen. Sowohl Biologie wie Entwicklungspsychologie werden als ‚veraltet‘ eingestuft, die neue Leitdisziplin der Sexualpädagogik müssten die Gender Studies sein.“

Soll das Gebot der weltanschaulichen Neutralität der Schule noch etwas gelten, so ist es höchste Zeit, dass kantonale Bildungsdirektoren, Kantonsparlamentarier, Schulleiter und Klassenlehrpersonen diesen Missständen endlich ein Ende setzen.

2017-11-21T15:00:18+00:00 16.06.2017|